Samstag, 1. November 2014

Spiel mir das Lied vom Tod (1968)

Ein namensloser Mann und sein Mundharmonika. Das ist der berühmt berüchtigte Hauptcharakter aus dem Western-Epos Spiel mir das Lied vom Tod. Der Film hat in all den Jahren einen immensen Kultstatus aufgebaut und gilt für viele Filmfans als der Italo-Western schlechthin. Hat er seinen Titel verdient?


Spiel mir das Lied vom Tod

Originaltitel: C'era una volta il West
Produktionsland: Italien / USA
Veröffentlichungsjahr: 1968
Regie: Sergio Leone
Haupt-Darsteller: Charles Bronson, Henry Fonda, Claudia Cardinale, Jason Robards
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: 165 Minuten
Kurzbeschreibung: In Spiel mir das Lied vom Tod ist ein geheimnisvoller Mundharmonikaspieler auf der Suche nach einem Mörder, der ihn in seine eigene Vergangenheit führt. (Quelle: Moviepilot.de)

Kritik:

Der Film startet mit dem Überfall auf eine Bahnstation: Drei ruppige Wild-West-Gauner nehmen die Station kurzerhand ein und warten auf einen Zug. Jener hält auch kurz, fährt dann aber weiter und während der Zuschauer schon glaubt es sei gar nichts passiert taucht er auf: Ein Lied ertönt, eine Melodie die den ganzen Film lang von großer Bedeutung sein wird, eine Melodie die epischer wohl nicht sein könnte. Die drei Halunken sehen den Zug wegfahren und dahinter erscheint er, der Namenlose (Charles Bronson). "Wo ist Frank?" fragt er und das Geschehen nimmt seinen Lauf.

Ich will hier natürlich nicht den ganzen Film jetzt Szene für Szene beschreiben, aber wer keine Ahnung von Spiel mir das Lied vom Tod hat sollte sich (in erster Linie natürlich einmal schämen!) vielleicht jetzt einen ganz guten Eindruck machen können wie der Film so abläuft. Er ist langsam, er ist ruhig und er ist verdammt atmosphärisch. Wie schon beschrieben ist der Hauptcharakter ein namensloser, ein Streuner so scheint es, dessen Vergangenheit eines der großen Rätsel des Films ist, doch eines ist klar, er hat einen Plan, er sucht einen Mann und er sucht die Konfrontation mit diesem. Im weiteren Verlauf lernen wir dann auch Jill McBain (Claudia Cardinale) kennen, eine Frau die auf tragische Weise ihre gesamte Familie verlor, Cheyenne (Jason Robards), einen aus dem Gefängnis ausgebrochenen Ganoven, und schließlich auch den besagten Frank (Henry Fonda), einen kaltblütigen Killer, der für den ehrgeizigen Eisenbahnbauer Mr. Morton, welcher an Knochentuberkulose leidet, arbeitet. 

Und mehr will ich dann auch gar nicht unbedingt an Story preisgeben - und wem das nicht reicht, der sollte sich sowieso mal selbst an den Kopf fassen - sondern näher auf den Film selbst eingehen: Ich habe schon von Atmosphäre geredet und diese ist so omnipräsent und wichtig, dass man sie bei einer Rezension des Filmes gar nicht vergessen kann. Am Anfang kommen einem die Szenen noch übermäßig langgestreckt vor, man sieht viele wunderbare Szenen die ohne Dialoge auskommen, manchmal sogar ohne jegliche Geräuschkulisse. Szenen bei denen der "Otto-Normal-Fernsehzuschauer" (ich entschuldige mich an keiner Stelle für blödsinnige Neologismen) vielleicht sogar eher gewillt ist umzuschalten - ich denke hier vor allem an die legendäre Fliegen-Szene vom Beginn des Films - verleihen für mich dem Film einen einzigartigen Charakter. Einen Charakter der sich darin widerspiegelt, dass der Film meiner Meinung nach trotz seiner fast 3 Stunden Laufzeit an keiner Stelle langatmig wird, mir sogar um einiges kürzer vorkommt als er es ist. Der Film erfüllt seine Aufgabe, den Zuschauer nicht zu langweilen trotz der enormen Laufdauer glänzend.

Überhaupt glänzt dieser Film wortwörtlich: Atemberaubende Landschaften säumen ein fantastisches Kamerabild - man muss bedenken der Film hat jetzt auch schon wieder mehr als 40 Jahre auf dem Buckel - und in den Augen eines jeden Schauspielers ist ein wunderschön leuchtendes Blau zu sehen (überhaupt scheint es beim Casting sehr um die Augenfarbe gegangen zu sein). Die Augen scheinen mir überhaupt ein sehr wichtiger Aspekt des Films zu sein, so spielt das extreme Blau in Franks Augen sicher sein Ziel wieder mit Morton die Bahn bis zum Pazifik zu bauen. Ein weiterer Aspekt der Atmosphäre ist der extrem gute Soundtrack welcher zwar nicht aus vielen Themen besteht, am bekanntesten natürlich das Lied des namenlosen Mundharmonikaspielers, aber diese immer wieder variabel darstellt und zu den richtigen Zeiten einsetzt und dem Film das gewisse Etwas zu verleihen.

Nicht nur bild- und tontechnisch, sondern auch schauspielerisch fährt Spiel mir das Lied vom Tod starke Geschütze auf. Zwar starrt unser Hauptcharakter Charles Bronson meist mit dem selben Blick einfach nur lässig in die Kamera, doch was erwartet man denn von einem klassischen Westernhelden eigentlich außer beinharter Coolness. Henry Fonda und Claudia Cardinale sind für mich die beiden Akteure, denen der Film am meisten verdankt. Cardinale spielt eine so selbstbewusste und kampfbereite weibliche Rolle, der man doch spielend alles was sie tut abkaufen will. Henry Fonda verkörpert einen Antagonisten den man besser hätte nicht besetzen können, was er hier zeigt ist große Klasse und macht beim Zuschauen unglaublich viel Spaß.

Ich hab bis jetzt in meiner "Film-Seher-Karriere" eigentlich nur sehr wenig mit Western am Cowboy-Hut gehabt (hat er den gerade wirklich gebracht? Oh ja...), doch dieser Film bricht einfach allein filmisch schon so viele Dämme, indem er so viele bemerkenswert gute Szenen hat, dass ich wirklich sagen muss, er hat seinen Klassikertitel mehr als verdient! Ich bin sicher man kann behaupten, dass dieser Film durchaus eine enorme Nachwirkung auf die Welt des Films hatte und diese bis heute keinen Deut geringer geworden ist. Viele der Szenen bleiben einem noch länger im Kopf und werden auch bis heute in neuen Filmen als Inspiration genommen. Somit fällt mein endgültiges Fazit von Spiel mir das Lied vom Tod wirklich positiv aus - auch wenn ich sagen muss ich hätte mir gewünscht der Film hätte ein klein wenig früher seinen Endcut gesetzt - und ich kann ihn nur wärmstens empfehlen als einen Film, den man sicher einmal gesehen haben sollte. Aber ich bin sicher nicht der erste der Ihnen das sagt...

Wertung: 8/10

Maxim Braun


 

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