Mittwoch, 12. November 2014

Extrem laut und unglaublich nah (2011)

Der elfjährige Oskar verfolgt das letzte Rätsel seines Vaters, der vor einem Jahr am 11. September ums Leben kam. Dabei stößt er auf einige Leute, die ihre ganz eigene Geschichte haben, doch schafft der Film es auch extrem gefühlvoll oder nur unglaublicher Kitsch zu sein?

Extrem laut und unglaublich nah

Originaltitel: Extremely Loud and Incredibly Close
Produktionsland: USA
Veröffentlichungsjahr: 2011
Regie: Stephen Daldry
Haupt-Darsteller: Thomas Horn, Tom Hanks, Sandra Bullock, Max von Sydow
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: 129 Minuten
Kurzbeschreibung: Extrem laut und unglaublich nah erzählt die Geschichte des elfjährigen Oskar, der seinen Vater durch die Anschläge des elften September verliert und auf seine eigene Art mit Trauer umgeht. (Quelle: Moviepilot.de)

Kritik:

Oskar Schell (Thomas Horn) ist kein gewöhnlicher Junge, das merken wir schon ziemlich früh im Film. Er ist intelligent, fürchtet sich allerdings vor vielen Dingen, zum Beispiel vor dem Überqueren von Brücken, oder auch davor sich auf eine Schaukel zu setzen. Sein Vater Thomas (Tom Hanks) war für ihn immer sein bester Freund, bis dieser beim Anschlag auf das Worl Trade Center am 11. September 2001 ums Leben kam. Das Hobby von Oskars Vater war es, ihm Rätsel zu stellen und ihn auf eine Art Schnitzeljagd zu schicken, bei der er viel kombinieren musste, um an sein Ziel zu gelangen. Als Oskar ein Jahr nach dem tragischen Ereignis einen Hinweis in Form eines Schlüssels findet, beginnt eine lange Suche nach dem passenden Schloss und möglicherweise auch nach der Lösung des letzten Rätsels seines Vaters und nach etwas, dass Oskar nach dessen Tod bleibt.

Extrem laut und unglaublich nah erzählt die bewegende Geschichte eines Jungen, der merkt, dass er seinen toten Vater immer mehr verliert und der nach einer Möglichkeit sucht, ihm wieder näher zu kommen. Die Story ist sehr interessant und baut einige schöne Ideen, sowie auch einige tolle Storywendungen auf. Die Dialoge sind zum großteil gut geschrieben und beinhalten auch einige bedeutend gute Gedanken und Metaphern - wie Oskars Vergleich der letzten Strahlen der gestorbenen Sonne mit der Erinnerung an seinen Vater - welche dem Film gut tun und ihn ernsthafter machen. Der Soundtrack drängt sich nicht näher auf, bleibt aber stimmig und die Bilder sind zum Großteil gut gefilmt und stimmig, doch schafft der Film es leider nicht, auf ganzer Linie die richtige Stimmung zu erzeugen.

Vor allem im ersten Drittel des Films wirken die Charaktere und ihre Handlungen und Gespräche zu wenig menschlich, zu sehr gekünstelt und unehrlich. So ist viel zu wenig Chemie zwischen Thomas Han, Tom Hanks und Sandra Bullock, und was als glückliche, wenn auch schräge Familie dargestellt werden soll, wirkt sehr unbeholfen abgefilmt und unauthentisch. So hätten mir allgemein mehr Szenen in denen Sandra Bullock auch mal im Familienleben auftaucht gefallen, oder auch weniger affige und ernstere Szenen zwischen Vater und Sohn. Desweiteren verstehe ich nicht, warum man ein ganzes Jahr nach dem 11. September einfach aus dem Film schneidet, anstatt mehr auf die Beziehung zwischen Mutter und Sohn einzugehen und wie beide mit dem Verlust umgehen. Oft wirkt das Zusammenspiel hier aber leider kitschig und aufgesetzt und Chancen den Figuren mehr Tiefe zu verleihen werden ausgelassen.

Was mir an Chemie zwischen Sohn und Eltern fehlt, sehe ich perfekt umgesetzt ab dem Mittelteil des Films, als Max von Sydow - welcher für seine Rolle hier für den Oskar nominiert wurde - als stummer Untermieter von Oskars Großmutter die Leinwand betritt und jenen bei seiner Suche unterstützt. Die Szenen mit den beiden funktionieren sehr gut und machen einige vorige Fehler des Films wieder gut. Es macht viel Spaß die beiden tollen Schauspieler als so unterschiedliches Gespann zusammen vor der Kamera zu sehen, in einem Wechsel aus rührenden und lustigen Momenten, mit harten und realistischeren Szenen, die dem ganzen Film etwas von seiner Harmonie nehmen, was auch notwendig ist. So kommt einem der Film in diesem Teil endlich mal echter und greifbarer vor als zu Beginn, und das tut ihm sehr gut.

Gegen Ende schafft der Film es sogar noch einige Male Gänsehaut bei mir auszulösen und zündet emotional ziemlich gut, dennoch wäre auch hier mehr drinnen gewesen. Wie schon gesagt hätte mehr Chemie zu einer deutlichen Steigerung der Qualität des Streifens beigetragen. Unter anderem muss ich auch manche Entscheidungen des Regisseurs oder der Drehbuch-Adapteure der Buchvorlage hinterfragen, so finde ich, dass Oskars Off-Komentare, die den ganzen Film begleiten an vielen Stellen nicht nötig wären und nicht positiv zum Film beitragen. Trotz allem schafft es Extrem laut und unglaublich nah mehr als zwei Stunden zu unterhalten und hat einige schöne Momente, die diesen Film durchaus interessant machen, vor allem eben für alle, die sich für seine Thematik interessieren.

Wertung: 6/10

Nicht extrem gut und  auch nicht unglaublich schlecht findet diesen Film: Maxim Braun




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