Von Kritikern zerrissen und von Romanlesern verhasst machte sich die Buchadaption Kind 44 schnell unbeliebt bei der breiten Kinogängermasse. Die Probleme des Films stellen sich als offensichtlich heraus, und bescheren selbst bei niedrigen Erwartungen eine kleine Enttäuschung.
Kind 44
Originaltitel: Child 44
Produktionsland: Tschechoslowakei / Großbritannien / Rumänien / USA Veröffentlichungsjahr: 2015 Regie: Daniel Espinosa Haupt-Darsteller: Tom Hardy, Noomi Rapace, Gary Oldman, Joel Kinnaman Altersfreigabe: FSK 16 Laufzeit: 138 Minuten Kurzbeschreibung: In der Bestsellerverfilmung Kind 44 muss Tom Hardy als
Geheimpolizist einen Serienmörder aufspüren, den es in Stalins
Sowjetunion gar nicht geben darf. (Quelle:
Moviepilot.de)
Kritik:
Wir befinden uns in der Sowjetunion und folgen unserem Hauptcharakter Leo (Tom Hardy), der für Stalins Geheimpolizei als treuer Fahnder des Staats arbeitet. Nachdem seine Frau Raisa (Noomi Rapace) des Hochverrats beschuldigt wird, müssen die beiden aus Moskau verschwinden und Leo wird degradiert. Schnell stößt ihm eine Reihe an Kindermorden ins Auge, die ihn schon in Moskau begegneten. Obwohl jeder der Morde einzeln meist als Unfall abgeschoben wurde, glaubt er, hinter all dem einen Zusammenhang zu sehen.Doch in einem System, in dem Verbrechen offiziell nicht existiert,
macht sich jeder, der von Serienmördern spricht, zum Staatsfeind.
Stimmig kommt Kind 44 zunächst daher und baut schnell eine schwermütige Atmosphäre und schmutzige Optik auf, die sich durch den gesamten Stil des Films und vor allem auch durch seine Musik zieht. Die sowjetische Ideologie wird hier durchaus interessant dargestellt und in eine ansehnliche Thematik eingebettet, doch die für einen Thriller nun einmal nötige Spannung bleibt weitestgehend aus. Der Film schafft es leider nie seine richtige Linie zu finden und zieht sich zu sehr in die Länge.
Zwar gefällt das Setting, doch der Film schafft es an keiner Stelle rund zu wirken, da er seine verschiedenen Handlungsstränge nicht linear erzählt, sondern verwirrend sprunghaft ist. So taumelt der Film über die ganze Laufzeit zwischen einem Krimi und einem politischen Drama, ohne je wirklich eines der beiden Genres zu erreichen. Hätte man sich mehr auf einen der Storyteile fokussiert, andere vielleicht ganz weggelassen, so wäre der Film sicher deutlich harmonischer gewesen.
Auch fehlen große Teile der Hintergrundgeschichte im Drehbuch, die uns die Figuren eigentlich nahe führen sollten. Viele Charaktere handeln ohne kenntliche Motivation, man hätte viel größere Teile des Films für die Vergangenheit seiner Pro- und Antagonisten verwenden sollen. Tolle Schauspieler wie Tom Hardy und Gary Oldman holen aus den relativ platten Rollen noch das Bestmögliche heraus.
Kind 44 ist sicher kein Totalausfall, verschenkt jedoch sehr viel von seinem Potenzial. Wo die dramatische Geschichte rund um ein politisches System und gleichzeitig die einer schrecklichen Mordserie erzählt werden will versagt der Film dabei die interessanten Aspekte der Genres zu verbinden. Wertung: 5/10 Hat kein Kind im Ohr: Maxim Braun
Der Park ist wieder eröffnet! Der Jurassic Park kehrt mit Jurassic World unter Regie von Colin Trevorrow auf die Kinoleinwand zurück und züchtet einen Dinosaurier herauf, der mal wieder die ganze Insel unsicher macht. Schafft der Film es an den alten Filmklassiker anzuschließen?
Jurassic World
Originaltitel: Jurassic World
Produktionsland: USA Veröffentlichungsjahr: 2015 Regie: Colin Trevorrow Haupt-Darsteller: Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Jake Johnson, Irrfan Khan Altersfreigabe: FSK 12 Laufzeit: 125 Minuten Kurzbeschreibung: Jurassic Park IV: Jurassic World – Die Dinos sind zurück und Colin Trevorrow übernimmt die Regie. (Quelle:
Moviepilot.de)
Kritik:
Seit einigen Jahren schon ist auf Islar Nublar John Hammonds Traum endlich zur Realität geworden: Der Jurassic Park, ein Vergnügungspark voller lebender Dinosaurier, ist eine der größten Attraktionen auf der Welt und lockt Besucher von überall an sich die prähistorischen Echsen aus der Nähe anzusehen. Alles scheint gut zu laufen, bis ein gänzlich neuer Dinosaurier, der furchteinflößender und gefährlicher als alles zuvor entworfen wurde, ausbricht und sein Unwesen im Park treibt. Nun liegt es an Verhaltensforscher Owen (Chris Pratt) und der Parkverwalterin Claire (Bryce Dallas Howard) das monströse Tier zu stoppen, bevor sich die Katastrophe vom Jurassic Park weiderholt.
Jurassic World ist ein anderer Film, als sein originales Vorbild Jurassic Park, macht aber dennoch viel Spaß. Wer sich perfekt auf den Film einlassen will, darf hier nicht viel mehr erwarten als einen kurzweiligen Blockbuster, der wenig auf Figurenzeichnung und dafür umso mehr auf optische Schauwerte und spannende Action setzt. Zwar werden in einigen Szenen schöne Anspielungen an den ersten Film von Steven Spielberg eingesetzt, die durchaus einen starken Nostalgie-Effekt besitzen, doch der Film selbst versucht erst gar nicht, aus dem Schatten seines Ursprungs zu treten. Lieber bietet er ein Unterhaltungsfeuerwerk voller grandiosem Humor, der vor allem durch Darsteller wie Chris Pratt und Jake Johnson toll über die Bühne gebracht wird.
Vor allem in seinem Aufbau zeichnet sich Colin Trevorrows Film durch seinen gekonnten Witz und seine Lässigkeit aus und bietet schönes Popcorn-Kino, bei dem man auch gerne bereit ist über den ein oder anderen Holpler hinwegzusehen. Leider folgen darauf viele schnell repetitiv werdende Szenen, und die Unterhaltung schafft es nicht gänzlich eine Story auszugleichen, die sich mit fortschreitender Laufzeit als immer seltsamer und unauthentischer gestaltet. Ein vollkommend übertriebenes und unpassendes Finale fügt einem an vielen Stellen spaßigen Film dann leider ein unangenehmes Gefühl von Irrsinn hinzu.
Die Dialoge und Figuren sind an keiner Stelle wirklich durchdacht, toll geschrieben oder versuchen etwas mehr Gehalt zu haben tragen aber an vielen Stellen zum großartigen Humor des Streifens bei. Leider wirken einige der Figuren doch ziemlich gestellt, wenn sie auf einmal doch versuchen eine emotionale Bindung zum Zuschauer zu gewinnen, die einfach nicht existiert, weil der ganze vorige Film sie nicht zugelassen hat. So entwickeln die Charaktere kaum Eigenleben, nein bewegen sich eher in gegeben Rollen die nicht unbekannt sind ziemlich klischeegerecht durch den Film. Mehr Eigenleben als erwartet entwickeln aber die Dinosaurier. Die Raptoren und einige andere werden eindeutig zu stark personalisiert, doch es wird tatsächlich geschafft den Indomnius Rex, der ja für viele Zweifel vor dem Film sorgte, als verdammt Furcht einflößend und gewaltig darzustellen.
Dies gelingt natürlich auch an den überragenden visuellen Effekten die Jurassic World auffährt. Zwar fühlt sich die CGI-Welt zugegebenermaßen an keiner Stelle so echt an wie der alte Park, doch als optische Bombe taugen die Effekte allemal. Leider wird die Action mit fortschreitendem Film immer schwächer, teils sogar sehr comichaft und einfach überzeichnet, für einen Film, der generell immer versucht noch einen draufzusetzen, und das leider nicht nur positiv gemeint. Trotz Kino-Bildspektakel stellt sich der 3D-Effekt außerdem als ziemlich unnötig heraus.
Jurassic World ist keineswegs so gut wie sein ehemaliger Ursprungsfilm, will das aber auch nicht sein. Stattdessen wird hier auf unterhaltsames Action-Kino gesetzt, das sogar zum großen Teil ziemlich gut funktioniert und mit vielen Anspielungen zu gefallen weiß. Leider merkt man dem Film seinen Hang zur Übertreibung jedoch zu stark an, und es werden zu viele Klischees bedient, als dass Jurassic World es wirklich schafft seinen Unterhaltungswert bis zum Ende aufrechtzuerhalten.
Wertung: 6/10
Roooooaaaaaaaar!!! gähnt jeden Morgen: Maxim Braun
Ein Kinderbuch verwandelt sich zu einer monströsen Gestalt, die eine Mutter und ihren Sohn heimsucht in Der Babadook. Von Kritikern hochgelobt als neuartiger erfrischend anderer Horrorfilm, weiß die australische Low-Budget-Produktion gleichzeitig zu überraschen und zu enttäuschen.
Der Babadook
Originaltitel: The Babadook
Produktionsland: Australien Veröffentlichungsjahr: 2014 Regie: Jennifer Kent Haupt-Darsteller: Essie Davis, Noah Wiseman, Daniel Henshall, Tim Purcell Altersfreigabe: FSK 16 Laufzeit: 92 Minuten Kurzbeschreibung: Der Babadook ist ein australischer Horrorthriller über eine Kinderbuchfigur, die ein traumatisierendes Eigenleben beginnt. (Quelle:
Moviepilot.de)
Kritik:
In Der Babadook geht es um die alleinerziehende Mutter Amelia (Essie Davis), die mit ihrem aufmerksamkeitsgestörten Sohn Samuel (Noah Wiseman) eindeutig überfordert ist. Vor sechs Jahren hat Amelia ihren Mann verloren und muss seitdem allein für das Kind und das Haus sorgen, was ihr ganz schön zu schaffen macht. Eines Tages entdeckt Samuel das vermeintliche Kinderbuch "Der Babadook", das sich schnell als Horror-Bilderbuch entpuppt. Samuel lässt darauf nicht locker und schreit immer öfter um Hilfe vor dem Babadook und während Amelia ihm erst nicht glaubt, muss auch sie bald feststellen, dass die albtraumhafte Figur mehr von ihr einnimmt als nur ihre Träume.
Der Babadook ist anders. Das wurde dem Film in letzter Zeit oft zugesprochen, und das hält er auch ein. Zwar besitzt er durchaus einen innovativen Horror-Stil und spielt mit einigen interessanten Grusel-Momenten, doch bedient er sich leider mit fortschreitender Laufzeit auch immer mehr an gängigen Klischees des Genres. Dabei ist Der Babadook nicht einmal wirklich ein Horror-Film, vielmehr ist das hier ein Psycho-Drama der ganz anderen Art das einen Dämon erschafft, der sich an eine Frau und ihre Familie klammert, und ihre Gedanken nicht mehr loslassen will. Dies ist zwar für den schön schleichenden Spannungsaufbau in der ersten Hälfte des Films als positiv zu betrachten, setzt aber zu viele Erwartungen, die dann nicht erfüllt werden und schafft es dank eines unangenehmen Tonwechsels zur Mitte des Films trotz erfrischendem Gegensatz zu vielen Horrorfilmen nicht zu begeistern.
Und das trotz teilweise genialer Arbeit hinter den Kulissen. Sowohl die Kameraarbeit als auch der Look selbst, der den Film und auch das Monster auszeichnet, ist für eine Low-Budget-Produktion wirklich gut gelungen. Man sieht dem Film zwar auch an, dass er keine allzu großen Geldmengen verschlungen hat, doch das braucht er auch nicht, denn er schafft es, gerade durch den eher minimalistischen Stil Stimmung zu kreieren. Auch anmerken, muss man den teils wirklich hervorragenden Ton, und auch Tonschnitt, die zu großen Teilen der Filmatmosphäre beitragen. Zum Ton eines Films gehören natürlich auch seine Darsteller. Essie Davis ist toll als leidende Mutter, die völlig am Ende ist, und gefällt in der ersten Hälfte sehr gut, neigt aber gegen Ende leider zu Overacting. Und apropos Overacting, Noah Wiseman mag zwar zu überzeugen wissen, stellt jedoch eine der nervigsten Kinderfiguren der Filmgeschichte teils komplett übertrieben dar. Ob seine Darstellung vielleicht gerade deswegen nicht schon wieder gut, ist bleibt Ansichtssache.
Ansichtssache bleibt auch der Film selbst. Ein Film, der mehr symbolisch zwischen Realität und der verzerrten Wirklichkeit wechselt als die Trailer und erste Informationen vermuten ließen. Und doch bleibt die Story selbst zu vorhersehbar. Zwar ist Der Babadook wendungsreich und tischt uns hier eine durchaus interessante und neu behandelte Thematik auf, doch wird man den Eindruck nicht los, dass die schön subtile Erzählweise von Jennifer Kent sich nach dem Aufbau des Films weitestgehend in belangloser üblicher Dramaturgie verliert. Alles ist, wie es scheint und ein wackeliges Finale lässt zwar ein schönes offenes Ende, enttäuscht jedoch trotzdem.
Wer Der Babadook für einen klischeehaften Horrorfilm hält, liegt erst einmal falsch. Vielmehr entwickelt sich aus dem Film ein Psycho-Drama, das jedoch gerade durch seine Horror-Ansätze gegen Ende leider nicht ganz zu überzeugen weiß. Einen innovativen Stil und ein durchdachtes Konzept muss man dem Film zusprechen, mehr Raffinesse gegen Ende der Geschichte bleibt bedauerlicherweise aber aus.
Wertung: 5/10
Guckt jetzt erstma unter seinem Bett nach guten Monsterfilmen: Maxim Braun
Drehbuchautor Alex Garland schafft mit Ex Machina sein Regiedebüt, in dem er das Thema künstliche Intelligenz von einer ganz besonderen Seite betrachtet. Schon viele Filme haben sich an diesem Bereich probiert, wenige erfolgreich. Ist es Garland gelungen, einen guten und prägnanten Science-Fiction-Film zu drehen?
Ex Machina
Originaltitel: Ex Machina
Produktionsland: Großbritannien / USA Veröffentlichungsjahr: 2015 Regie: Alex Garland Haupt-Darsteller: Domhnall Gleeson, Oscar Isaac, Alicia Vikander, Sonoya Mizuno Altersfreigabe: FSK 12 Laufzeit: 108 Minuten Kurzbeschreibung: Im Science-Fiction-Thriller Ex Machina verliebt sich Programmierer Domhnall Gleeson in eine künstlich erschaffene Frau. (Quelle:
Moviepilot.de)
Kritik:
Der junge Web-Programmierer Caleb (Domhnall Gleeson) hat scheinbar unglaubliches Glück. Er hat es geschafft in einem firmeninternen Wettbewerb zu gewinnen und darf nun eine Woche lang mit dem Chef der Firma Nathan (Oscar Isaac) in dessen abgeschiedenem Privathaus an einem ganz besonderen Experiment teilhaben. Wie besonders dieses Experiment wirklich ist, stellt Caleb erst fest, als er es mit eigenen Augen sehen kann. Er soll mit der künstlichen Intelligenz Ava (Alicia Vikander) den Turingtest durchführen, und somit herausfinden, ob sie denken kann wie ein Mensch. Doch kaum in Kontakt mit Ava kommt Caleb irgendetwas an der Sache nicht koscher vor und langsam bröckelt die Fassade des geheimnisvollen Nathan und seines Experiments.
Alex Garland hatte schon immer auch als Drehbuchautor Mut zum Skurrilen. Nun bringt er auch als Regisseur wieder viele bekannte und spannende Motive ein die den Zuschauer zu fesseln und zu beschäftigen wissen. Gefahr und Faszination stehen in Ex Machina Seite an Seite, der Zuschauer befindet sich direkt dazwischen. Und während sich die unangenehme Atmosphäre immer weiter hochschaukelt, kann man kaum anders als dem Film in seine Abgründe zu folgen.
Leicht lassen sich Vergleiche zu anderen Filmen ziehen, die sich stilistisch ähnlich verhalten. Ex Machina schafft es weder an einen atmosphärisch kalten Moon heran, noch an den herzergreifenden Her. Trotzdem bewegt sich der Film hinter Genrekollegen auf einem für ihn angemessenen und nicht weit abgelegenen Platz. Durch einen zermürbenden Soundtrack, der die Nerven einmal beruhigt, nur um sie dann wieder in Stücke zu sägen, wird eine brillante Stimmung erzeugt. Untermalt durch die sterilen Bilder der Einrichtung erhält der Zuschauer immer wieder ein stark isoliertes Bild auf die Umgebung, aber auch auf die Charaktere des Films. Durch viele Kontraste, die zwischen der Innenwelt und der Außenwelt geschaffen werden versetzt uns Garland so in eine nahezu klaustrophobische Stimmung. Perfekte Voraussetzungen für ein Kammerspiel wie Ex Machina.
Und da Kammerspiele bekanntlich von ihren Darstellern leben, werden auch hier große Geschütze ausgefahren. Alicia Vikander als KI Ava sieht nicht nur dank CGI super aus und wirkt wie eine sehr feine Mischung aus Mensch und Computer, die Frau spielt das ganze auch super und verleiht der Figur eben die Portion Menschlichkeit, die sie benötigt. Domhnall Gleeson fällt zwar hinter dem restlichen Cast etwas zurück, doch gerade deswegen ist seine etwas distanziert gezeichnete Figur auch eine Steilvorlage für den Zuschauer selbst in die Rolle hineinzuschlüpfen. Doch niemand kommt an Oscar Isaac heran. In den letzten Jahren zeigte er es uns immer wieder, trotzdem bleibt sein Schauspiel überraschend gut und fügt eine weitere tolle Facette zu seinem Können hinzu. Als ignoranter und von Anfang an wenig sympathischer reicher Alkoholiker will man ihn zwar gerne leidenschaftlich hassen, doch durch intelligente Dialoge schafft er es, die anderen Charaktere an die Wand zu nageln.
Und von was leben Kammerspiele noch? Richtig, Dialoge und eine interessante Geschichte. Ex Machina kommt mit einem wendungsreichen Plot daher, der sich leider zum Teil vorhersehen lässt, und kleinere Plotlücken aufweist. Die langsame aber trotzdem spannende Erzählweise ist jedoch trotzdem sehr unterhaltsam, und durch eine starke Herangehensweise an die KI-Thematik, und sogar an interessant kritisch behandelte sexuelle Themen schafft der Film zum Nachdenken anzuregen, auch wenn er nichts gänzlich neu erfinden mag.
Auch scheut Garland nicht davor zurück tiefschürfende Fragen zu stellen und baut in stark pointierte
Dialoge viel offenen Raum ein, der dem Zuschauer für eigene Gedankengänge
gelassen wird. Dabei bezieht der Film nie Stellung, sondern
bewegt seine Charaktere stetig durch eine Grauzone. Die Einen nennen das
meinungsfaul, die Anderen begrüßen gerade hier den starken Wunsch nach
Eigeninterpretationen. Lediglich das Ende weiß leider nicht ganz den
hervorragenden Stil des vorangegangenen Films fortzuführen und versucht
etwas stilisierter zu sein, als es wirklich ist.
Ex Machina
stellt sich trotz Zweifeln der Thematik und des relativ schlecht
geschnittenen Trailers wegen als kleine Filmperle heraus. Durch viel
Inspiration und intelligente Handlungsstränge sowie Dialoge kratzt
Garland mit seinem Regiedebüt tatsächlich am Himmel der großen
Film-Sterne, bleibt aber leider nicht gänzlich konsequent. Trotzdem ist
der Film für ihn ein mehr als gelungener Einstieg in die Branche, den
man nicht verpassen sollte, denn er ist zwar nicht perfekt, doch
beschäftigen wird er einen allemal. Wertung: 7/10 Auch diese Kritik kommt Ex Machina: Maxim Braun
George Miller hat mit Mad Max: Fury Road nach genau 30 Jahren endlich den vierten Film seiner mittlerweile etwas staubigen Actionreihe gedreht. Sehr viele Probleme hielten die Produktion des Films auf, doch die Stimmen der Leute nach den ersten Trailern waren überwältigend gut. Schafft es Mad Max dem Hype gerecht zu werden?
Mad Max: Fury Road
Originaltitel: Mad Max: Fury Road
Produktionsland: Australien Veröffentlichungsjahr: 2015 Regie: George Miller Haupt-Darsteller: Tom Hardy, Charlize Theron, Nicholas Hoult, Hugh Keays-Byrne Altersfreigabe: FSK 16 Laufzeit: 121 Minuten Kurzbeschreibung: Das Reboot Mad Max: Fury Road ist der Auftakt zu einer neuen
Trilogie um den postapokalyptischen Outlaw, der diesmal von Tom Hardy
gespielt wird. (Quelle:
Moviepilot.de)
Kritik:
Max Rockatansky (Tom Hardy) ist ein Outlaw. Er hat gelernt mit den Bedingungen der neuen postapokalyptischen Welt zurechtzukommen wie kein Zweiter. Das heißt in erster Linie, niemandem vertrauen, an sein eigenes Überleben denken und niemals Hoffnung zulassen, die einen doch nur schwächt. In solch einer grausamen Welt muss er leben; muss er überleben. Die anderen Leute interessieren ihn im Normalfall nicht. Doch, was ist schon normal? Nachdem Max von einer Gruppe von verrückten Gesetzlosen gefangen genommen und zur Blutkonserve ernannt wird, schafft er es, sich bei der Jagd auf die abtrünnig gewordene Imperator Furiosa (Charlize Theron), die ganz besondere Ware an Bord hat, zu befreien. Einzelgänger Max muss sich gegen seinen Willen mit der kampfbegabten Frau verbünden, doch niemand weiß genau, wohin ihr weg sie führt...
Mad Max: Fury Road lebt von seinem Hype. Die fantastisch geschnittenen Trailer gaben den Zuschauern rasante Einblicke in benzingeladene Action-Szenen voller Feuer und Sand. Wie der Trailer schon vermuten und hoffen ließ, ist der Film selbst wirklich eine einzige wilde Verfolgungsjagd. George Miller bietet uns fantastisches und detailverliebtes Action-Kino, wie es viele Blockbuster der letzten Jahre vermissen ließen. Wenn hier ein Fahrzeug explodiert, dann nicht einfach in einer gewaltigen Michael-Bay-Wolke aus CGI, sondern mit ruppiger handgemachter Schlagkraft und einer schön dreckigen Detonation. Natürlich setzt auch Miller auf Special Effects, doch es fällt sehr positiv auf, wie er seine Action an den richtigen Stellen so greifbar und schmutzig wie möglich inszeniert.
Zu der pulverisierenden Inszenierung kommt ein harter und kerniger Soundtrack, und es dauert nicht lange, da fängt das eigene Blut an sich in Benzin zu verwandeln. Durch einige sehr amüsante und ausgefallene Tricks, der auch schon im Trailer zu sehen war, wird die Musik nicht nur zum Begleiter des Films, sie findet auch im Film selbst statt. Unterhaltung ist somit voll und ganz geboten. Durch das blanke Chaos, das den Film komplett dominiert hat George Miller auch genug Mut sich Storylücken zu erlauben. Schade ist, dass er hier nicht auf seiner Spur bleibt, die Story weitestgehend gar nicht stark zu beleuchten, sondern von Zeit zu Zeit versucht uns durch Vorgeschichten näher an die Charaktere heranzubringen. Dies funktioniert leider nur schwerlich. Die Handlung schafft es nicht die Gefechte relevant auszugleichen und fungiert somit eher als nerviger Beiwagen für die explosive Action-Rallye.
Wo der Streifen an manchen Stellen wie bereits erwähnt etwas die Strenge vermissen lässt, ist er trotzdem mit vielen seiner Figuren weitestgehend gnadenlos heftig. Mad Max wird vor allem zu Anfang keineswegs als Held dargestellt, er ist eben das, was er ist: Der verrückte Max. Hervorragend porträtiert von einem robusten Tom Hardy, der wie gemacht für die Rolle ist. Es braucht nicht viel mehr als einige Hm und Hmhms und schon weiß der Zuschauer: Hardy ist nicht in diesem Film um viel zu sagen. Im Grunde ist er nicht mal die wirkliche Hauptfigur des Films, denn neben Charlize Therons wirklich bemerkenswerter Performance rückt er immer mehr als der stille Mann für die schmutzigen Jobs in den Hintergrund. Theron reißt den Film trotz einer unbefriedigend gezeichneten Rolle an sich und lässt so schnell auch nicht los.
Am Ende ist Mad Max: Fury Road ein knapper Dämpfer auf einem hoch angesetzten Niveau. Die eher mitgeschleifte Handlung soll von der durchgehend rasend überspitzten Action in den Hintergrund rücken, macht leider aber vor allem gegen Ende störend auf sich aufmerksam. Wer das ausblenden kann, wird mehr als gut bedient, doch ein bleibender Eindruck lässt sich leider vermissen. Trotz der negativen Aspekte nimmt der Film eine gewichtige Stellung im aktuellen Action-Genre ein und lässt einiges an Potenzial für kommende Mad-Max-Teile übrig, die uns hoffentlich noch erwarten werden.
Wertung: 7/10
Mäht Max den Actionfilm-Rasen? Ja, behauptet: Maxim Braun
Alfred Hitchcock gilt als einer der größten Regisseure aller Zeiten und war vor allem dafür bekannt, seinen Filmen eine fabelhafte Spannungskurve zu verpassen. Zu seinen beliebtesten Werken zählt auch Der Fremde im Zug, der typisch Hitchcock, auf einem mörderischen Konzept basiert.
Der Fremde im Zug
Originaltitel: Strangers on a Train
Produktionsland: USA Veröffentlichungsjahr:1951 Regie: Alfred Hitchcock Haupt-Darsteller: Farley Granger, Robert Walker, Ruth Roman, Patricia Hitchcock Altersfreigabe: FSK 12 Laufzeit: 101 Minuten Kurzbeschreibung: In Der Fremde im Zug (AT: Verschwörung im Nordexpreß) wird der
unbescholtene Tennisprofi Guy Haines von einer Zufallsbekanntschaft
erpresst, einen Mord zu begehen. (Quelle:
Moviepilot.de)
Kritik:
Tennisprofi Guy Haines (Farley Granger) hat sich seine Zugfahrt sicher etwas anders vorgestellt. In der Bahn trifft er auf den neugierigen Bruno (Robert Walker), der ihn sofort erkannt hat und ihn schnell mit haufenweise Fragen löchert. Zum Beispiel, warum Guy sich nicht längst von seiner untreuen Frau (Kasey Rogers) hat scheiden lassen und mit seiner wahren Liebe Anne Morton (Ruth Roman) vermählt hat. Das bringt Bruno auf eine Idee: Er schlägt den irrwitzigen Plan vor, dass die beiden ja über Kreuz morden könnten. Bruno würde Guys lästige Ehefrau umbringen, während sich Guy um Brunos verhassten Vater kümmert. Während Guy das Ganze nicht ernst nimmt und sich von dem seltsamen Mann verabschiedet, wagt er nicht zu glauben, dass Brunos Plan alles andere als ein Scherz war...
Der Fremde im Zug startet mit einer einzigartigen Kamera, die uns den ganzen Film lang begleitet. Hitchcock ist bekannt für einfallsreiche und experimentelle Perspektiven, und auch hier lässt er seiner Kreativität mal wieder freien Lauf und beschert uns somit einige fabelhafte Einstellungen, welche sich wunderbar auf den Verlauf des Films auswirken. Abgesehen von solch technischer Raffinesse schafft der Film es auch durch sein extrem interessantes Konzept anzusprechen, das sich hitchcocktypisch mit der Kunst des perfekten Mordes auseinandersetzt. Dabei kommt Der Fremde im Zug zwar nicht ohne ein paar weniger gelungene Szenen aus, die sich vor allem um die weiblichen Figuren drehen, die zeitweise etwas nervig in den Fokus rücken, doch ist der Film fabelhaft gealtert, und lässt sich auch heute noch genießen. Die Faszination, die so oft von Hitchcocks Filmen ausgeht, lässt sich auch hier wieder stark spüren. Eine kleine Geschichte, ein kurzes Gespräch, aus dem schnell mehr wird, ein perfides Spiel zwischen zwei Charakteren, das bis zum Ende sehr spannend bleibt und mit einem außergewöhnlichen und temporeichen Finale punktet. Abgesehen davon bleibt die Perle des Films Robert Walkers fabelhafte Performance kombiniert mit der brillant geschriebenen Figur des Bruno. Walker verstarb leider kurz nach dem der Film in die Kinos kam, hätte er doch sicher einige weitere Erfolge gefeiert, nachdem er hier mühelos alle an die Wand spielt, und auch eine Oscarnominierung verdient hätte, die leider ausblieb.
Der Fremde im Zug gehört zu Hitchcocks besten Filmen, weist aber durchaus auch Schwächen auf. Vor allem Robert Walkers Darbietung begeistert allerdings und eine nicht abzusprechende Faszination macht die Geschichte rund um den Film aus, und macht ihn zu seinem sehr sehenswerten Werk.
Im Sportdrama Foxcatcher erhält Channing Tatumn als Ringer Mark Schulz Unterstützung von Steve Carell, der den reichen Multimillionär John du Pont verkörpert. Carell ist dafür zurecht als "Bester Hauptdarsteller" für den Oscar nominiert, und auch sonst hat der Film sich einige andere Nominierungen verdient.
Foxcatcher
Originaltitel: Foxcatcher
Produktionsland: USA Veröffentlichungsjahr: 2014 Regie: Bennett Miller Haupt-Darsteller: Channing Tatumn, Steve Carell, Mark Ruffalo, Sienna Miller Altersfreigabe: FSK 12 Laufzeit: 135 Minuten Kurzbeschreibung: Foxcatcher erzählt die wahre Geschichte des exzentrischen
Multimillionärs John du Pont (gespielt von Steve Carell), der als Mentor
und Sponsor einen Olympia-Ringer unterstützt. (Quelle:
Moviepilot.de)
Kritik:
Mark Schulz ist einer der besten Ringer der USA, so hat er zum Beispiel 1984 bei den Olympischen Spielen seine Goldmedaille gewonnen. Leider mangelt es dem Sportler an Geld um sich ein nötiges Training für die nächsten Spiele zu organisieren, und auch sein Bruder Dave (Mark Ruffalo), der bisher immer sein Trainer war, kann ihn hier nur geringfügig unterstützen. Das alles scheint kein Problem mehr zu sein als Mark eines Tages einen Anruf erhält, in dem er auf das Anwesen des reichen Sportfans John du Pont (Steve Carell) eingeladen wird. Dieser will, dass unter Aufsicht von Mark eine Ringermannschaft auf seiner Foxcatcher-Farm trainiert wird, die Amerika die nächste Goldmedaille nach Hause bringt. Was wie eine einzigartige Chance klingt wird Mark bald zum Verhängnis, denn der exzentrische Multimilliardär stellt schnell klar, dass er am längeren Hebel sitzt.
Foxcatcher erzählt mit überraschend tiefen Einblicken eine wahre Geschichte nach, über einen Ringer, der immer im Schatten seines Bruders war, und sich endlich allein einen Namen in der Welt des Sports machen will. Das klingt nach Altbekanntem? Ist es auch, doch so gut neu verpackt und durch den Aspekt von John du Ponts Rolle stark verarbeitet, dass sich die Handlung von Anfang an als bemerkenswert spannend herausstellt. Immer mehr rückt sich der Fokus mehr auf die intensive Beziehung zwischen Steve Carell und Channing Tatumn und ein perfides Psychospiel offenbart sich dem Zuschauer.
Deshalb auch ist Steve Carell zurecht mit dem Oscar als "Bester Hauptdarsteller" nominiert, denn einerseits gewinnt er im Verlauf des Streifens immer mehr den Film für sich und außerdem ist sein Auftreten mehr als bemerkenswert, gar einschneidend und vielschichtig gespielt. Auch Channing Tatumn schafft es hier zu begeistern und liefert seine bisher wohl beste Performance ab. Neben seinen starken Schauspielern ist es aber auch Foxcatchers Stil zu verdanken, dass der Film es schafft zu funktionieren, so fördert eine schöne und geistreiche Kamera die Atmosphäre und eine subtile klassische Untermalung setzt Akzente.
Am Ende bleibt das einzige Problem des Streifens, dass er es nicht ganz schafft, ein paar Längen zu entgehen, die zwar für die Handlung durchaus wichtig sind, aber leider durch zu viele Wiederholungen und aufdringliche Figurenzeichnung dem Fluss des Streifens nicht gut tun. Eine geradelinige Erzählung und die bloße Spürbarkeit der einzelnen Charaktere schaffen es aber trotzdem, dem Film die benötigte Spannung zu verleihen, und ihn dann auch in einem fulminanten Finale gebührend ausklingen zu lassen.
Foxcatcher ist ein sehr gutes Beispiel für den schnellen und sehr guten Aufbau einer dramatischen Chemie zwischen Charakteren, auch wenn der Film durchaus seine Längen besitzt, durch die konsequenten Schauspieler und die perfide Geschichte schafft er es schnell das wieder wettzumachen. Auch dank der starken Inszenierung unter Regie von Bennett Miller wird Foxcatcher somit zu einem kräftigen und greifbaren Drama, das seinem Ruf gerecht wird.
Benedict Cumberbatch ist nominiert als Bester Hauptdarsteller für das biografische Drama The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben, in dem der geniale Mathematiker Alan Turing versucht, den Enigma-Code der Nazis zu knacken. Dabei muss sich der hochintelligente Autist auch mit persönlichen Problemen, wie seiner illegalen Homosexualität herumschlagen.
The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben
Originaltitel: The Imitation Game
Produktionsland: Großbritannien / USA Veröffentlichungsjahr: 2014 Regie: Morten Tyldum Haupt-Darsteller: Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Mark Strong, Matthew Goode Altersfreigabe: FSK 12 Laufzeit: 114 Minuten Kurzbeschreibung: In The Imitation Game spielt Benedict Cumberbatch den Forscher
Alan Turing, der nicht nur die deutsche Verschlüsselung im Krieg
knackte, sondern auch wegen seiner Homosexualität verfolgt wurde. (Quelle:
Moviepilot.de)
Kritik:
Alan Turing (Benedict Cumberbatch) ist ein genialer Mathematiker. Aus diesem Grund meldet er sich beim britischen Militär, um dort dabei zu helfen Enigma, ein deutsches Funkgerät, das Funksprüche der Wehrmacht verschlüsselt, zu besiegen. Schnell wird allen Beteiligten klar, dass sie hier an etwas streng geheimen arbeiten, das unter keinen Umständen an die Öffentlichkeit gelangen darf, und es dauert nicht lange, bis Turing sich bei seinem Team durch seine skurrile Art unbeliebt macht. Dabei hat er einen genialen Plan: Er will eine Maschine bauen, die Enigma entschlüsseln kann, da nur eine Maschine eine Maschine besiegen kann, doch seine Kollegen sind davon noch nicht überzeugt.
The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben ist mit 8 Nominierungen einer der ganz großen Oscar-Kandidaten, in so einigen wichtigen Kategorien. Unter anderem ist Benedict Cumberbatch als Bester Hauptdarsteller nominiert, und das völlig zurecht! Der charismatische Brite, der vor allem durch die Serie "Sherlock" an Bekanntheit erlangte, zeigt hier seine bislang stärkste Performance, in der so einige Szenen enthalten sind, die seine Nominierung rechtfertigen. Zwar wird er es in diesem starken Jahr ziemlich schwer haben, den Award auch gewinnen zu können, aber abschreiben sollte man ihn keineswegs. Cumberbatch bleibt auch eindeutig der positivste Aspekt des Films, der sonst leider an einigen Stellen enttäuscht. Zu viele Klischees und eine seltsame, wenig Furcht einflößende Darstellung des Krieges führen leider dazu, dass der Film es an vielen Stellen nicht schafft, die für ein biografisches Drama nötige Authentizität aufzubauen, und so eine emotionale Stimmung aufzubauen. Durch seltsame, zum Teil wirklich unnötige, Zeitsprünge und Flashbacks soll hier eine Identifikation mit dem Hauptcharakter geschaffen werden, doch das Gegenteil ist der Fall, sie distanzieren uns mehr von ihm und zerbrechen die vom Film geschaffene Realität. Und dabei ist Turing eine so interessante und vielschichtige Persönlichkeit, dass es an vielen Stellen schmerzt, wie halbherzig und ideenlos er vom Drehbuch in Szene gesetzt wird. Viel mehr von seinen Gefühlen, seinen Gedanken und vor allem von der tragischen und dunklen Seite seines Lebens hätten de Film gut getan, wären der Vorlage gerechter geworden und hätten ihm viel mehr von der dringend nötigen Substanz verliehen. Dabei schafft es auch eine charmante Nebendarstellerin wie Keira Knightley nicht, dem Drama den nötigen Schub zu geben. The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben ist ein solides Drama mit einem starken Benedict Cumberbatch, verschenkt aber enorm viel Potenzial, wenn es darum geht, seine Charaktere mit ihren Licht- und Schattenseiten interessant ins Bild zu rücken. An vielen Stellen fühlt der Film sich an, als hätte man ihn schon gesehen und auch wenn es gegen Ende stark versucht wird, schafft man es nicht ganz, die nötige emotionale Stimmung zu erzeugen, die uns Turing so greifbar machen soll. Wertung: 6/10 Schreibt gerade an einer Turing-Maschine: Maxim Braun
Mit 96 Hours a.k.a. Taken startete Liam Neesons Karriere als gealterter Action-Star, der nach entführten Leuten sucht, seine Familie beschützt, oder einfach Lust auf Krawall und Geballer hat. Ist der Film wirklich der moderne Actionfilm schlechthin, oder doch nur stupides Gehaue?
96 Hours
Originaltitel: Taken
Produktionsland: USA Veröffentlichungsjahr: 2008 Regie: Pierre Morel Haupt-Darsteller: Liam Neeson, Maggie Grace, Olivier Rabourdin, Famke Janssen Altersfreigabe: FSK 16 Laufzeit: 93 Minuten Kurzbeschreibung: Als seine Tochter im Ausland entführt wird, greift Liam Neeson
in 96 Hours selbst zur Waffe, um die 17-Jährige aus den Fängen der
Menschenhändler zu befreien. (Quelle:
Moviepilot.de)
Kritik:
Bryan Mills' (Liam Neeson) Leben ist nicht gerade perfekt. Ständig versucht der im Ruhestand lebende Ex-Agent seiner 17-jährigen Tochter Kim (Maggie Grace)näher sein zu können, da die Arbeit ihn damals seine Familie, und demnach auch seine Ehe kostete. Als seine Tochter ihn bittet, sie mit einer Freundin nach Frankreich fahren zu lassen ist Bryan also erst einmal sehr skeptisch, willigt seiner Tochter zuliebe allerdings schließlich ein und lässt sie ziehen. Leider verwirklichen sich die Sorgen um seine Tochter, denn die beiden Mädchen werden kurz nach ihrer Ankunft von albanischen Menschenhändlern verschleppt. Bryan muss nun wieder zu dem Profi werden, der er einmal war, und macht sich auf einen energischen Gewaltmarsch durch die Verbrechenssümpfe von Parisum seine Tochter zu retten.
Liam Neesons derzeitiges Karrierehoch ist eine Sache für sich. Mit 96 Hours startete für den ehemals genialen Charakterdarsteller aus Filmen wie Schindlers Liste eine Serie von Filmen, in denen er abgehalfterte Ex-Agenten verkörpert, die den Bösewichten noch mal gehörig eins mitgeben, bevor sie in Rente gehen. Dem Action-Standard wird der Film auch tatsächlich gerecht, so ist er nicht wirklich revolutionär, aber durchaus schnell, konsequent und zweifelsohne unterhaltsam und schlagfertig. Die Kampfsequenzen und Schusswechsel sind einwandfrei gemacht und machen zum Großteil sehr viel Spaß. Weniger Spaß macht leider die unglaublich dumpfe Story, die fast jeder innerhalb eines Tages hätte schreiben können. Überraschungen bleiben zum Großteil aus, und die Menschenhändler-Verschwörung, die sich natürlich bis in die französische Regierung erstreckt, wirkt schon etwas sehr weit hergeholt. Auch ist die Charakterzeichnung nicht gerade ideal, so bleibt viel zu wenig Zeit um sich mit Liam Neesons Figur zu identifizieren, und wenn dann mal ein Versuch in die Richtung gemacht wird, dann viel zu klischeehaft und ohne wirkliche Innovation. Das ist wirklich schade, denn Liam Neeson selbst glänzt und geht in seiner "Bad-Ass-Rolle" einzigartig auf. Man nimmt ihm den alten und doch immer noch professionellen Ex-Agenten sofort ab, und er hat einige richtig starke Momente und bringt so einige Sprüche, die sich dauerhaft ins Actionfilm-Gedächtnis einprägen. Zwar erfindet der Streifen nichts wirklich neu, und Neeson bringt wahrlich keine Tiefe in den Film, oder etwas annähernd Ähnliches, aber durch die rastlose Hektik und die brachiale Action wird der Unterhaltungswert hochgehalten. 96 Hours ist keine Revolution des Actiongenres, aber ein gelungener, wenn auch klischeehafter Film. Liam Neeson funktioniert super, der Streifen ist schnell und sieht gut aus, hätte aber durchaus ein innovativeres und besser geschriebenes Drehbuch vertragen. So bleibt er zwar durch einige starke Szenen im Gedächtnis, schafft es aber am Ende auch nicht sich merklich von der breiten Masse abzusetzen, und eigenständig ein neues Genre zu erschaffen. Einzig und allein Neeson scheint das durch diesen Film für sich geschafft zu haben.
Nightcrawler ist ein stilsicher inszenierter Thriller
mit satirischen Untertönen, der mit einer beängstigenden Performance von
Jake Gyllenhaal punktet, aber leider auch Längen aufweist.
Nightcrawler - Jede Nacht hat ihren Preis
Originaltitel: Nightcrawler
Produktionsland: USA Veröffentlichungsjahr: 2014 Regie: Dan Gilroy Haupt-Darsteller: Jake Gyllenhaal, Rene Russo, Bill Paxton, Ann Cusack Altersfreigabe: FSK 16 Laufzeit: 119 Minuten Kurzbeschreibung: Jake Gyllenhaal gerät in Nightcrawler als Journalist in die kriminelle Untergrund-Szene von Los Angeles. (Quelle:
Moviepilot.de)
Trickreich geht es zu in Neil Burgers The Illusionist in dem ein Mann eine lang verloren geglaubte Liebe wiederfindet, allerdings unter ungünstigen Umständen. Schafft Edward Norton es den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen oder ist alles blos fauler Zauber?
The Illusionist
Originaltitel:The Illusionist
Produktionsland: USA Veröffentlichungsjahr: 2006 Regie: Neil Burger Haupt-Darsteller: Edward Norton, Paul Giamatti, Jessica Biel, Rufus Sewell Altersfreigabe: FSK 12 Laufzeit: 104 Minuten Kurzbeschreibung: Der Magier Edward Norton verzaubert in Neil Burgers Thriller The
Illusionist das Publikum und die von Jessica Biel gespielte Herzogin. (Quelle:
Moviepilot.de)
Kritik:
Im Wien des 20. Jahrhunderts herrschen monarchische Verhältnisse. Dadurch, dass unser junger Protagonist nur Sohn eines Tischlers ist, wird ihm seine junge Romanze mit der Jungherzogin Sophie schnell zum Verhängnis und ein gemeinsamer Fluchtplan der beiden scheitert. Jahre später kehrt der mit Illusionen spielende Mann (Edward Norton) nun erwachsen und unter dem Künstlernamen Eisenheim nach Wien zurück und gibt dort magische Vorstellungen, welche schnell für Aufsehen in der Stadt sorgen. Als der Prinz und künftige Thronanwärter Leopold (Rufus Sewell) zu einer Vorstellung kommt trifft Eisenheim auch Sophie (Jessica Biel) wieder, die immer noch am Hof lobt und bald mit dem Prinzen vermählt werden soll. Doch zwischen den beiden fliegen schnell wieder Funken, welche dem korrupten Inspektor Uhl (Paul Giamatti) überhaupt nicht gefallen... Edward Norton ist ohne Frage ein toller Schauspieler. So hat er uns mit seinen Performances, wie zum Beispiel in American History X oder Fight Club schon zu Genüge beweisen können, dass er weiß, was er tut. Hätte er das dannauch nur hier wieder gezeigt. Seine Rolle bleibt den ganzen Film lang viel zu platt und banal, so bringt er keine Szene irgendwie herausstechend hin, nein spielt vielleicht solide aber ungewohnt leer und uninspiriert seine Rolle herunter. Jessica Biel als weibliche Nebenrolle bleibt leider weitestgehend genauso auf der Strecke. Das ist schade, denn die männlichen Nebendarsteller bestehend aus Paul Giamatti und Rufus Sewell wissen genau was sie tun und sie machen es sehr gut und überzeugend. Auch filmisch ist The Illusionist nicht gerade eine Perle. So gibt es schon einige gute Einstellungen und Bilder, doch viel Potenzial bleibt ungenutzt und die Kamera wirkt irgendwie hastig und uninspiriert, als müsse sie einen Zeitplan einhalten, welcher für Ideen zu wenig Freiraum lassen würde. So fällt es schwer Gefühle für die Charaktere oder eine Einstellung zur Handlung machen zu können, zudem der untermalende Score kein einziges Mal bedeutsam hervortritt. Thematisch ist The Illusionist interessant, versucht stark sich einen guten Film nennen zu dürfen und sich einen Platz in der großen Twist-Riege zu erarbeiten, doch genau hier liegt das größte Problem, ein gutes Drehbuch war hier leider nicht vorhanden.
So kann man schon bevor der Film zur Hälfte um ist den gesamten weiteren Ablauf vorhersagen und liegt leider damit richtig. Das ist nicht nur ernüchternd, es ist auch wirklich enttäuschend zu sehen, dass uns hier der Film am Ende weiß machen will, dass wir die ganze Zeit getäuscht wurden und wir als Zuschauer eine Täuschung erwartet, die sich als nicht mehr als eine Enttäuschung herausstellt. Als Pluspunkt muss man dem Film anrechnen, dass er weder langweilig, noch frustrierend wird, durch seine fatalen Fehler, nein es sogar irgendwie schafft relativ stimmig zu bleiben und zumindest sein Ding durchzuziehen. Am Ende bleibt The Illusionist also leider ziemlich platt und enttäuschend. Nichtsdestotrotz handelt es sich hier nicht um einen wirklich schlechten Film, eher eben um einen, von dessen Genre wir einfach als Zuschauer durch tolle Werke wie Christopher Nolans Prestige - Meister der Magie so viel mehr gewohnt sind, dass uns das hier eher zum Gähnen als zum Staunen bringt. Ein ambitionierter Norton und ein flotteres und subtileres Drehbuch hätten dem Streifen sicherlich gut getan, aber so kann ich nur sagen, für Leute die, sich nicht mit wenig zufrieden geben und Überraschungen gewohnt sind ist The Illusionist nichts mehr als ein laues Lüftchen. Wertung: 5/10 Der Twist ist hier nur Illusion, sagt: Maxim Braun
Ein Hitchcockfilm in alter Kammerspiel-Manier, in dem ein Mann einen gewieften Plan entwickelt, um seine Frau aus dem Weg zu räumen. Dabei entwickelt sich eine immer komplexer werdende Geschichte, mit vielen Wendungen, doch schafft es der Klassiker auch heute noch den Zuschauer zu verwirren?
Bei Anruf Mord
Originaltitel:Dial M for Murder
Produktionsland: USA Veröffentlichungsjahr: 1954 Regie: Alfred Hitchcock Haupt-Darsteller: Ray Milland, Grace Kelly, John Williams, Robert Cummings Altersfreigabe: FSK 16 Laufzeit: 105 Minuten Kurzbeschreibung: Bei Anruf Mord soll es für Grace Kelly heißen, deren betrogener
Ehemann einen raffiniert-diabolischen Plan ausheckt, um seine Frau ins
Jenseits zu befördern. (Quelle:
Moviepilot.de)
Kritik:
Seit der britische Ex-Tennisspieler Tony Wendice (Ray Milland)seine Sportlerkarriere an den Nagel gehängt hat und nur noch nebenbei etwas Geld verdient, läuft es in der Ehe mit seiner wohlhabenden Frau Margot (Grace Kelly) nicht mehr so richtig prickelnd. Jene beginnt deshalb eine Affäre mit dem Amerikaner Mark (Robert Cummings), welcher sein Geld als Schriftsteller von Kriminalromanen verdient.AlsTony von den Treffen der beiden Wind bekommt, muss er schleunigst einen Plan schmieden, denn lässt sich seine Frau von ihm scheiden, sähe er nichts mehr von ihrem Vermögen und müsste sich einen anstrengenderen Beruf besorgen.Aus diesem Grund baut Tony ein komplexes Lügenkonstrukt auf, um den Tod seiner Frau zu bewirken, ohne selbst unter Verdacht zu stehen, doch schafft er es auch, dass ihm Inspektor Hubbard (John Williams), welcher die Ermittlungen leitet, nicht auf die Schliche kommt?
Bei Anruf Mord schafft es, bis zum Ende Überraschungen aufzutischen. Die Handlung, die auf dem gleichnamigen Theaterstück von Frederick Knott basiert, beschränkt sich weitestgehend auf einen Schauplatz, so wie es bei Hitchcock ja des Öfterender Fall ist. Überhaupt ist die Geschichte des Films schnell erzählt, doch bleibt ihre Ausführung trotzdem äußerst aufgefächert. So folgt eine komplexe Idee nach der anderen und es entwickelt sich ein herrlich ausgefeiltes und verwirrendes Szenario, bei dem man als Zuschauer aufmerksam dabei sein muss, um es im vollen Umfang nachvollziehen zu können.
Auch schafft es, der von vielen als "Meister der Spannung" gefeierte Top-Regisseur, seinem Ruf mal wieder gerecht zu werden und kreiert einige intensiv dramatische Szenen, welche vor allem von einem stimmungsgeladenen Soundtrack und einer gewohnt markanten Kameraarbeit profitieren, was aufgrund der geringen Location-Wechsel nicht als Selbstverständlichkeit gelten darf. So schaffen es gekonnte Schnitte und auch experimentierfreudige Perspektiven, dass diesem Film Hitchcocks Stil deutlich anzumerken ist. Des Weiteren zieht er einen Vorteil aus den vielen Kleinigkeiten, die oft gar nicht weiter erläutert werden, dies aber auch nicht nötig haben, da sie einfach zeigen, dass hier auf jedes Detail Wert gelegt wurde (zum Beispiel das Entfernen der Fingerabdrücke am Anfang).
Auch schauspieltechnisch ist dieser Streifen äußerst überzeugend, vor allem die Hauptdarsteller Ray Milland und Grace Kelly agieren hier sehr charakterbetont und verkörpern ihre Figuren vor der Kamera sehr gut. Der gewohnte Cameo-Auftritt des Großmeisters selbst bleibt leider bis auf ein eingerahmtes Foto an der Wand aus, doch trotz alledem bleibt Bei Anruf Mord ein wirklich guter Hitchcockfilm,der seine Stärken vor allem eben in der Entfaltung des komplexen Szenarios und den überraschenden Wendungen in der Handlung zeigt und er bleibt dabei stets kurzweilig und unterhaltend.
Hier haben wir es also mit einem Klassiker zu tun, der inzwischen schon mehr als ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel hat und trotzdem noch ausgezeichnet funktioniert. Dieser Film kann mit seinem komplexen Handlungsstrang auch heute noch für einige Verwirrungsmomente sorgen und ist dem Zuschauer scheinbar ständig voraus. Für Fans von Hitchcock sicher ein Muss, doch auch für Leute, denen interessante Kammerspiele oder generell ältere Filme gefallen, ist Bei Anruf Mord sicherlich sehenswert.
Wertung: 8/10
Leidet noch nicht an Rufmord: Maxim Braun
Update: 26.03.2015 - Aufwertung von 7/10 auf 8/10 Punkten Bei der zweiten Sichtung weiß Bei Anruf Mord immernoch mehr als nur zu begeistern, und hat es sich somit redlich verdient aufgewertet zu werden.
Colin Farrell bangt in einer Telefonzelle um sein Leben und das derer die ihm lieb sind, in einem Film, der sich auf eine Location beschränkt. Schafft der Film es trotzdem spannend genug zu sein, dass der Zuschauer in der Leitung bleibt?
Nicht auflegen!
Originaltitel:Phone Booth
Produktionsland: USA Veröffentlichungsjahr: 2002 Regie: Joel Schumacher Haupt-Darsteller: Colin Farrell, Forest Whitaker, Kiefer Sutherland, Katie Holmes Altersfreigabe: FSK 16 Laufzeit: 81 Minuten Kurzbeschreibung: Colin Farrell als gewiefter New Yorker Geschäftsmann, der es in einer Telefonzelle mit einem psychopathischen Scharfschützen am anderen Ende des Hörers zu tun bekommt. (Quelle: Moviepilot.de)
Kritik:
Im Thriller Nicht auflegen!steht Stu Shepard (Colin Farrell) im Mittelpunkt der Geschehnisse. Der ambitionierte und egoistische Geschäftsmann manipuliert den ganzen Tag über seine Kunden, Partner und auch seine Ehefrau (Radha Mitchell) mit Halbwahrheiten und leeren Versprechen, nur um sich selber einen Vorteil dadurch zu verschaffen. In der letzten öffentlichen Telefonzelle der 53. Straße in Manhattan führt er zudem seit Tagen Gespräche mit seiner heimlichen Geliebten Pamela (Katie Holmes), damit ihre Unterhaltungen nicht auf seiner Handyrechnung auftauchen. Als das Telefon nach einem jener Gespräche klingelt, nimmt Stu aus Gewohnheit den Hörer ab, doch nun ist nicht Pamela an der anderen Seite der Leitung, sondern ein Mann, der alles über Stu und seine Intrigen zu wissen scheint und der ihm damit droht ihn zu erschießen, sollte er den Hörer auflegen. Ein psychopathisches Katz und Maus-Spiel beginnt, dass bald seinen ersten Tribut zollt. Larry Cohen, der hier als Screenwriter tätig war, hat seine Idee eines Filmes, der die ganze Laufzeit in einer Telefonzelle spielt, schon seit den 60er Jahren, als er sie Alfred Hitchcock mitteilte. Auch dieser war begeistert von der Idee, doch kam keinem der beiden der Entscheidende Gedanke für die Umsetzung des Szenarios, welches den Aufenthalt in der Telefonzelle interessant gestalten würde. 30 Jahre später hatte Cohen die Idee des Scharfschützen, brachte sie schnell zu Papier in Form eines Drehbuchs und ein Film wurde in bahnbrechenden 12 Tagen zu ende gedreht und kam mit einem Minimum an Produktionskosten in die Kinos. Man merkt Nicht auflegen! in seiner Kürze von nur 81 Minuten natürlich sofort an, dass nicht viel Aufwand hinter dem Streifen steckt und dass das ganze auf einen möglichst kurzweiligen Spannungskracher herauslaufen soll, doch leider funktioniert nicht alles wie geplant. Dem Film gelingt es, durch einige gute Ideen und Wendungen durchaus ein gewisses Maß an Spannung aufzubauen, vor allem gegen Ende funktioniert das wirklich gut. So gibt es einige interessante Überraschungen, von denen man auch manche wirklich nicht kommen sieht. Allerdings bleibt der Haupt-Twist am Ende relativ fade und löst sich so schnell selbst auf, dass die Frage im Raum bleibt, ob er überhaupt notwendig ist. Insgesamt hinterließ der Film bei mir auch den Eindruck, dass er viele tolle Konzepte hat, diese aber so schnell und oberflächlich abarbeitet, dass kaum Zeit bleibt länger über irgendetwas nachzudenken. Man sieht ihn sich kurz an und ist irgendwie genauso schlau wie vorher. Im Gegensatz dazu kommt einem der Film selbst zu lange vor. Die Verantwortlichen wussten genau, warum sie den Film auf so eine Kürze schnitten, denn länger würde man dieses Kammerspiel in der Telefonzelle wohl kaum aushalten. Ich selbst war ungefähr ab dem zweiten Drittel des Films schon langsam gelangweilt von Nicht auflegen!. Dabei haben schon andere Filme wie eben von jenem Alfred Hitchcock Das Fenster zum Hof oder Die 12 Geschworenen von Sidney Lumet bewiesen, dass solche Kammerspiele durchaus gut funktionieren können, auch wenn sie fast zwei Stunden dauern. Bei Nicht auflegen! war für mich leider kurz vor Schluss schon langsam die Luft raus und ich fragte mich, wie lange es noch dauern möge, bis die Credits über den Bildschirm rollen. All diese Fehler sind wirklich schade, da sie einige gute Ideen und Konzepte eben leider herunterziehen. So ist das Szenario ja äußerst interessant und lässt viele Möglichkeiten offen, an denen ich Cohen gerne mehr Zeit gegeben hätte, sich ausführlicher mit dem Thema zu befassen, anstatt eine schnelle Idee endlich zu verwerten, damit sie nicht mehr in seinen Gedanken herumspukt. So kommt es für mich nämlich herüber. Der Film wird aufgewertet durch einen wirklich guten Cast, vor allem will ich hier einen super Colin Farrell hervorheben und Kiefer Sutherlands tolles Voice-Acting, dass man natürlich nur in der Original-Fassung des Filmes hört. Zudem mag ich eben das Konzept selbst ziemlich gerne und fand auch einige Entwicklungen ziemlich interessant. Letztenendes ist Nicht auflegen! also wirklich kein schlechter Film, verschenkt aber einfach zu viel von seinem Potential. Wertung: 5/10
Geht heute in die Disco und legt nicht auf: Maxim Braun
Wo wären wir heute nur ohne Der Weiße Hai? Nie wäre es zu so legendären Erfolgsgeschichten wie Sharknado, Sharktopus und all den anderen tollen Trash-Monster-Filmen gekommen, die versuchen auf den Riesenerfolg von Spielbergs Klassiker aufzuspringen. Doch wird der Film seinem Hype gerecht?
Der Weiße Hai
Originaltitel:Jaws
Produktionsland: USA Veröffentlichungsjahr: 1975 Regie: Steven Spielberg Haupt-Darsteller: Roy Scheider, Richard Dreyfuss, Robert Shaw, Murray Hamilton Altersfreigabe: FSK 16 Laufzeit: 124 Minuten Kurzbeschreibung: In Der Weiße Hai müssen Roy Schneider, Robert Shaw und Richard
Dreyfuss aufbrechen, um einen gefährlichen weißen Hai einzufangen. (Quelle: Moviepilot.de)
Kritik:
Der ganze Horror startet bei einer ruhigen Strandfete von einigen jungen Leuten, die sich am Meer um eine Feuerstelle versammelt haben. Eine hübsche Frau rennt neckisch weg und will mit einem Mann Baden gehen, der ihr betrunken hinterhertorkelt. Während sie sich schnell ihrer Kleidung entledigt und ins kühle Nass flitzt, legt er sich erst einmal in den Sand und lallt ein bisschen vor sich hin. Und als das schöne Mädchen dann da so vor sich hindümpelt wird ein ganz anderer Bewunderer aufmerksam:Ein gewaltiger weißer Hai! Der charmante Meeresbewohner zwickt unsere Badenixe erst ein paarmal in den Fuß, bevor er sich entscheidet sie in die Tiefe zu ziehen, während unser nicht ganz so nüchterner Freund nichts von der ganzen Sache bemerkt und langsam einschläft. Am nächsten Tag wird Polizeichef Brody (Roy Scheider) auf die Story des Mannes aufmerksam, der glaubt seine Freundin sei ertrunken. Am Strand finden sie allerdings die zerfetzten Überreste der Frau und Analysen bestätigen einen Haiangriff. Brody steht allerdings mit seiner Bitte den Strand zu sperren alleine da, denn der Bürgermeister will auf keinen Fall die Einnahmen der Badesaison gefährden. Doch bald darauf schlägt das Biest erneut zu...
Der Weiße Hai genießt sein Ansehen als Kultfilm, als der Film, der den Startschuss gab für eine Erfolgswelle von Horrorfilmen, in denen Menschengruppen von bestialischen Tieren auseinandergenommen werden. Die meisten dieser Filme kommen aber nicht annähernd an Spielbergs Film heran, denn dieser ist weitaus mehr als reiner Monster-Horror. Der Film hat einen relativ interessanten Plot, der nicht allzu viel hergibt für eine gute Storybildung, aber solide ist und auch vor ein bisschen Gesellschaftskritik nicht zurückschreckt. Die drei Hauptcharaktere, von denen einer erst relativ spät stärker in den Fokus gerät, sind allesamt interessant, unterhaltsam und gut gespielt. Besonders Dreyfuss hat mir wirklich gut gefallen und bei den ganzen Seemanns-Sprüchen von Robert Shaw muss man sich schon schwer in den Keller verkriechen um nicht zumindest ein kleines Lachen zuzulassen.
Steven Spielbergs Stil ist sehr präsent hier und tut dem Film sehr gut. Es ist schön zu sehen wie das Set und vor allem eben auch die Hai-Attrappe, die liebevoll "Bruce" getauft wurde, mit Liebe zum Detail gebaut wurden. Der Film hat einige tolle Sequenzen die von Unterwasserkameras aufgenommen wurden und oft auch die Sicht des Hais darstellen. Überhaupt merkt man, dass hier wirklich gute Kamera-Arbeit geleistet wurde und auch ein paar kreative Schnitte zu finden sind. Der Score vom Meister persöhnlich, John Williams, ist natürlich auch mal wieder auf den Punkt stimmig und sollte in einer Liste der besten Filmsoundtracks nicht fehlen dürfen. Er schafft es den Bildern, die noch so neutral sein mögen, eine Stimmung einzuflößen, die auch einen großen Teil zur Spannung des Filmes beiträgt.
Überhaupt macht der Film sehr viel richtig, wenn es darum geht den Zuschauer zu überraschen und mitfiebern zu lassen. In Momenten in denen man die ganze Zeit mit einem blutigen Haiangriff rechnet passiert nichts, außer ein paar gezielt ausgelegten Finten, die dem Zuschauer etwas an den Nerven nagen sollen. Und dann in Szenen, in denen man wirklich nicht damit rechnet, erscheint das Monstrum im nullkommanichts aus dem Wasser und erschreckt den Zuschauer gekonnt. Nun ist Der Weiße Hai in erster Linie kein Horror-Film, sondern ein sehr spannendes Thriller-Abenteuer, dass zur richtigen Zeit ein paar Erschrecker mitbringt. Und gerade diese Sicherheit in der sich der Zuschauer wägt und welche dann abrupt zerstört wird, verleiht dem Film seine super funktionierenden Spannungsmomente.
Am Ende ist Der Weiße Hai ein Film, der sehr viel Spaß macht und mit vielen spannenden Momenten auch genug Nervennahrung bietet. Zwar gibt die Handlung nicht arg viel her, doch ist sie solide ausgeführt und mit tollen Schauspielern besetzt, die hier ihr bestes geben. Seinen Status als Klassiker hat der Film sicher verdient, da er eben heute noch von vielen Filmen als Vorbild genommen wird und das auch zurecht. Für mich ist er damit ein wirklich sehenswerter Film, der zwar mit seinen 124 Minuten gegen Ende auch mal ein paar Längen hat, aber bis zum Ende spannend und sehr unterhaltsam bleibt.