Es ist so weit, das Wochenende steht mal wieder vor der Tür und man will die Tage mit einem guten Film ausklingen lassen,
doch was lohnt es sich wirklich anzusehen? Filmtastisch liefert euch jeden Freitag neue Tipps aus dem Kino oder der DVD-Sammlung, die man gesehen haben sollte!
Kinotipp:
Southpaw (2015) von Antoine Fuqua, mit Jake Gyllenhaal und Forest Whitaker.
Erst am 20. August kommt das Boxdrama Southpaw auch in Deutschland in die Kinos, ich hab den Film schon im Voraus sehen können und darf ihn jedem wärmstens an Herz legen. Neben Jake Gyllenhaal und Rachel McAdams ist Forest Whitaker als gealterter Boxcoach eine wahre Offenbarung im Film und schaukelt eine konventionelle Geschichte, die wenig Neues erzählt, in angenehm starke Höhen. Zur Kritik
Schwieriges Thema schön umgesetzt:
Persepolis (2007) von Vincent Paronnaud & Marjane Satrapi.
Politische Filme können schnell dröge und langatmig werden, wenn sie zu wenig versuchen den Zuschauer auch mitzunehmen und stattdessen lieber eine schwere Thematik nach der anderen einfach auftischen. Der Animationsfilm Persepolis ist anderer Natur. Während das Thema erwachsen und extrem ernsthaft daherkommt, ist es erfrischend zu sehen, wie kindlich und verspielt der Film durch die Geschichte des Iran führt und dabei nie ins Lächerliche driftet, sondern persönlich und gefühlvoll bleibt.
Ganz schön harter Tobak:
Shame (2011) von Steve McQueen, mit Michael Fassbender und Carey Mulligan.
Michael Fassbender ist einer der besten Schauspieler unserer Zeit und weiß den Zuschauer auch hier wieder von sich zu überzeugen. Auch schreckt er in dem Film, der sich vor allem mit der Sexsucht des Hauptcharakters beschäftigt, nicht davor zurück sich komplett nackt zu zeigen. Shame ist ein Film, der unter die Haut geht und Beziehungen in höchstem Maße menschlich und zerbrechlich darstellt. Eine absolute Empfehlung für alle Fans von ruhigen und authentischen Dramen.
Der Boxfilm Southpaw macht nichts neu, glänzt aber mit
toll inszenierten Kampfszenen und bemerkenswerten Leistungen von Jake
Gyllenhaal und Forest Whitaker.
Southpaw
Originaltitel: Southpaw
Produktionsland: USA Veröffentlichungsjahr: 2015 Regie: Antoine Fuqua Haupt-Darsteller: Jake Gyllenhaal, Forest Whitaker, Rachel McAdams, Naomie Harris Altersfreigabe: n.n.b. Laufzeit: 123 Minuten Kurzbeschreibung: In Antoine Fuquas Boxerdrama Southpaw kämpft sich Jake
Gyllenhaal als unorthodoxer Boxer bis an die Spitze, während um ihn
herum sein Leben allmählich aus den Fugen gerät. (Quelle:
Moviepilot.de)
Colin Farrell bangt in einer Telefonzelle um sein Leben und das derer die ihm lieb sind, in einem Film, der sich auf eine Location beschränkt. Schafft der Film es trotzdem spannend genug zu sein, dass der Zuschauer in der Leitung bleibt?
Nicht auflegen!
Originaltitel:Phone Booth
Produktionsland: USA Veröffentlichungsjahr: 2002 Regie: Joel Schumacher Haupt-Darsteller: Colin Farrell, Forest Whitaker, Kiefer Sutherland, Katie Holmes Altersfreigabe: FSK 16 Laufzeit: 81 Minuten Kurzbeschreibung: Colin Farrell als gewiefter New Yorker Geschäftsmann, der es in einer Telefonzelle mit einem psychopathischen Scharfschützen am anderen Ende des Hörers zu tun bekommt. (Quelle: Moviepilot.de)
Kritik:
Im Thriller Nicht auflegen!steht Stu Shepard (Colin Farrell) im Mittelpunkt der Geschehnisse. Der ambitionierte und egoistische Geschäftsmann manipuliert den ganzen Tag über seine Kunden, Partner und auch seine Ehefrau (Radha Mitchell) mit Halbwahrheiten und leeren Versprechen, nur um sich selber einen Vorteil dadurch zu verschaffen. In der letzten öffentlichen Telefonzelle der 53. Straße in Manhattan führt er zudem seit Tagen Gespräche mit seiner heimlichen Geliebten Pamela (Katie Holmes), damit ihre Unterhaltungen nicht auf seiner Handyrechnung auftauchen. Als das Telefon nach einem jener Gespräche klingelt, nimmt Stu aus Gewohnheit den Hörer ab, doch nun ist nicht Pamela an der anderen Seite der Leitung, sondern ein Mann, der alles über Stu und seine Intrigen zu wissen scheint und der ihm damit droht ihn zu erschießen, sollte er den Hörer auflegen. Ein psychopathisches Katz und Maus-Spiel beginnt, dass bald seinen ersten Tribut zollt. Larry Cohen, der hier als Screenwriter tätig war, hat seine Idee eines Filmes, der die ganze Laufzeit in einer Telefonzelle spielt, schon seit den 60er Jahren, als er sie Alfred Hitchcock mitteilte. Auch dieser war begeistert von der Idee, doch kam keinem der beiden der Entscheidende Gedanke für die Umsetzung des Szenarios, welches den Aufenthalt in der Telefonzelle interessant gestalten würde. 30 Jahre später hatte Cohen die Idee des Scharfschützen, brachte sie schnell zu Papier in Form eines Drehbuchs und ein Film wurde in bahnbrechenden 12 Tagen zu ende gedreht und kam mit einem Minimum an Produktionskosten in die Kinos. Man merkt Nicht auflegen! in seiner Kürze von nur 81 Minuten natürlich sofort an, dass nicht viel Aufwand hinter dem Streifen steckt und dass das ganze auf einen möglichst kurzweiligen Spannungskracher herauslaufen soll, doch leider funktioniert nicht alles wie geplant. Dem Film gelingt es, durch einige gute Ideen und Wendungen durchaus ein gewisses Maß an Spannung aufzubauen, vor allem gegen Ende funktioniert das wirklich gut. So gibt es einige interessante Überraschungen, von denen man auch manche wirklich nicht kommen sieht. Allerdings bleibt der Haupt-Twist am Ende relativ fade und löst sich so schnell selbst auf, dass die Frage im Raum bleibt, ob er überhaupt notwendig ist. Insgesamt hinterließ der Film bei mir auch den Eindruck, dass er viele tolle Konzepte hat, diese aber so schnell und oberflächlich abarbeitet, dass kaum Zeit bleibt länger über irgendetwas nachzudenken. Man sieht ihn sich kurz an und ist irgendwie genauso schlau wie vorher. Im Gegensatz dazu kommt einem der Film selbst zu lange vor. Die Verantwortlichen wussten genau, warum sie den Film auf so eine Kürze schnitten, denn länger würde man dieses Kammerspiel in der Telefonzelle wohl kaum aushalten. Ich selbst war ungefähr ab dem zweiten Drittel des Films schon langsam gelangweilt von Nicht auflegen!. Dabei haben schon andere Filme wie eben von jenem Alfred Hitchcock Das Fenster zum Hof oder Die 12 Geschworenen von Sidney Lumet bewiesen, dass solche Kammerspiele durchaus gut funktionieren können, auch wenn sie fast zwei Stunden dauern. Bei Nicht auflegen! war für mich leider kurz vor Schluss schon langsam die Luft raus und ich fragte mich, wie lange es noch dauern möge, bis die Credits über den Bildschirm rollen. All diese Fehler sind wirklich schade, da sie einige gute Ideen und Konzepte eben leider herunterziehen. So ist das Szenario ja äußerst interessant und lässt viele Möglichkeiten offen, an denen ich Cohen gerne mehr Zeit gegeben hätte, sich ausführlicher mit dem Thema zu befassen, anstatt eine schnelle Idee endlich zu verwerten, damit sie nicht mehr in seinen Gedanken herumspukt. So kommt es für mich nämlich herüber. Der Film wird aufgewertet durch einen wirklich guten Cast, vor allem will ich hier einen super Colin Farrell hervorheben und Kiefer Sutherlands tolles Voice-Acting, dass man natürlich nur in der Original-Fassung des Filmes hört. Zudem mag ich eben das Konzept selbst ziemlich gerne und fand auch einige Entwicklungen ziemlich interessant. Letztenendes ist Nicht auflegen! also wirklich kein schlechter Film, verschenkt aber einfach zu viel von seinem Potential. Wertung: 5/10
Geht heute in die Disco und legt nicht auf: Maxim Braun