Dienstag, 19. Mai 2015

Ex Machina (2015)

Drehbuchautor Alex Garland schafft mit Ex Machina sein Regiedebüt, in dem er das Thema künstliche Intelligenz von einer ganz besonderen Seite betrachtet. Schon viele Filme haben sich an diesem Bereich probiert, wenige erfolgreich. Ist es Garland gelungen, einen guten und prägnanten Science-Fiction-Film zu drehen?
 

Ex Machina

Originaltitel: Ex Machina
Produktionsland: Großbritannien / USA
Veröffentlichungsjahr: 2015
Regie: Alex Garland
Haupt-Darsteller: Domhnall Gleeson, Oscar Isaac, Alicia Vikander, Sonoya Mizuno
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: 108 Minuten
Kurzbeschreibung: Im Science-Fiction-Thriller Ex Machina verliebt sich Programmierer Domhnall Gleeson in eine künstlich erschaffene Frau. (Quelle: Moviepilot.de)


Kritik:

Der junge Web-Programmierer Caleb (Domhnall Gleeson) hat scheinbar unglaubliches Glück. Er hat es geschafft in einem firmeninternen Wettbewerb zu gewinnen und darf nun eine Woche lang mit dem Chef der Firma Nathan (Oscar Isaac) in dessen abgeschiedenem Privathaus an einem ganz besonderen Experiment teilhaben. Wie besonders dieses Experiment wirklich ist, stellt Caleb erst fest, als er es mit eigenen Augen sehen kann. Er soll mit der künstlichen Intelligenz Ava (Alicia Vikander) den Turingtest durchführen, und somit herausfinden, ob sie denken kann wie ein Mensch. Doch kaum in Kontakt mit Ava kommt Caleb irgendetwas an der Sache nicht koscher vor und langsam bröckelt die Fassade des geheimnisvollen Nathan und seines Experiments.

Alex Garland hatte schon immer auch als Drehbuchautor Mut zum Skurrilen. Nun bringt er auch als Regisseur wieder viele bekannte und spannende Motive ein die den Zuschauer zu fesseln und zu beschäftigen wissen. Gefahr und Faszination stehen in Ex Machina Seite an Seite, der Zuschauer befindet sich direkt dazwischen. Und während sich die unangenehme Atmosphäre immer weiter hochschaukelt, kann man kaum anders als dem Film in seine Abgründe zu folgen.

Leicht lassen sich Vergleiche zu anderen Filmen ziehen, die sich stilistisch ähnlich verhalten. Ex Machina schafft es weder an einen atmosphärisch kalten Moon heran, noch an den herzergreifenden Her. Trotzdem bewegt sich der Film hinter Genrekollegen auf einem für ihn angemessenen und nicht weit abgelegenen Platz. Durch einen zermürbenden Soundtrack, der die Nerven einmal beruhigt, nur um sie dann wieder in Stücke zu sägen, wird eine brillante Stimmung erzeugt. Untermalt durch die sterilen Bilder der Einrichtung erhält der Zuschauer immer wieder ein stark isoliertes Bild auf die Umgebung, aber auch auf die Charaktere des Films. Durch viele Kontraste, die zwischen der Innenwelt und der Außenwelt geschaffen werden versetzt uns Garland so in eine nahezu klaustrophobische Stimmung. Perfekte Voraussetzungen für ein Kammerspiel wie Ex Machina.

Und da Kammerspiele bekanntlich von ihren Darstellern leben, werden auch hier große Geschütze ausgefahren. Alicia Vikander als KI Ava sieht nicht nur dank CGI super aus und wirkt wie eine sehr feine Mischung aus Mensch und Computer, die Frau spielt das ganze auch super und verleiht der Figur eben die Portion Menschlichkeit, die sie benötigt. Domhnall Gleeson fällt zwar hinter dem restlichen Cast etwas zurück, doch gerade deswegen ist seine etwas distanziert gezeichnete Figur auch eine Steilvorlage für den Zuschauer selbst in die Rolle hineinzuschlüpfen. Doch niemand kommt an Oscar Isaac heran. In den letzten Jahren zeigte er es uns immer wieder, trotzdem bleibt sein Schauspiel überraschend gut und fügt eine weitere tolle Facette zu seinem Können hinzu. Als ignoranter und von Anfang an wenig sympathischer reicher Alkoholiker will man ihn zwar gerne leidenschaftlich hassen, doch durch intelligente Dialoge schafft er es, die anderen Charaktere an die Wand zu nageln.

Und von was leben Kammerspiele noch? Richtig, Dialoge und eine interessante Geschichte. Ex Machina kommt mit einem wendungsreichen Plot daher, der sich leider zum Teil vorhersehen lässt, und kleinere Plotlücken aufweist. Die langsame aber trotzdem spannende Erzählweise ist jedoch trotzdem sehr unterhaltsam, und durch eine starke Herangehensweise an die KI-Thematik, und sogar an interessant kritisch behandelte sexuelle Themen schafft der Film zum Nachdenken anzuregen, auch wenn er nichts gänzlich neu erfinden mag. 

Auch scheut Garland nicht davor zurück tiefschürfende Fragen zu stellen und baut in stark pointierte Dialoge viel offenen Raum ein, der dem Zuschauer für eigene Gedankengänge gelassen wird. Dabei bezieht der Film nie Stellung, sondern bewegt seine Charaktere stetig durch eine Grauzone. Die Einen nennen das meinungsfaul, die Anderen begrüßen gerade hier den starken Wunsch nach Eigeninterpretationen. Lediglich das Ende weiß leider nicht ganz den hervorragenden Stil des vorangegangenen Films fortzuführen und versucht etwas stilisierter zu sein, als es wirklich ist. 

Ex Machina stellt sich trotz Zweifeln der Thematik und des relativ schlecht geschnittenen Trailers wegen als kleine Filmperle heraus. Durch viel Inspiration und intelligente Handlungsstränge sowie Dialoge kratzt Garland mit seinem Regiedebüt tatsächlich am Himmel der großen Film-Sterne, bleibt aber leider nicht gänzlich konsequent. Trotzdem ist der Film für ihn ein mehr als gelungener Einstieg in die Branche, den man nicht verpassen sollte, denn er ist zwar nicht perfekt, doch beschäftigen wird er einen allemal.

Wertung: 7/10

Auch diese Kritik kommt Ex Machina: Maxim Braun

Video Kritik:

Trailer:

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