Sonntag, 4. Januar 2015

Snowpiercer (2013)

Snowpiercer gilt für Einige als ein Geheimtipp, wenn man in Richtung Oskarverleihung 2015 schaut. Schafft es der Film vom südkoreanischen Regisseur Joon-Ho Bong wirklich, sich durch seinen Stil einen Platz im Rennen um die begehrten Trophäen zu sichern?

Snowpiercer

Originaltitel: Snowpiercer
Produktionsland: Frankreich / Südkorea / USA
Veröffentlichungsjahr: 2013
Regie: Joon-Ho Bong
Haupt-Darsteller: Chris Evans, Tilda Swinton, John Hurt, Ed Harris
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: 126 Minuten
Kurzbeschreibung: In der Comic-Adaption Snowpiercer durchquert ein Zug mit einer dystopischen Mikrogesellschaft eine post-apokalyptische Eiswüste. (Quelle: Moviepilot.de)


Kritik:

Wir befinden uns in der nahen Zukunft im Jahre 2031, die Welt wurde bei einem missglückten Versuch die Klimaerwärmung aufzuhalten in eine gewaltige Schicht aus Schnee und Eis gehüllt, und die letzten Überlebenden sitzen in einem Zug, der auf einer endlos langen Strecke Jahr für Jahr im Kreis fährt. In besagtem Zug herrscht eine strikte Rangordnung und so leben die armen Menschen im letzten Waggon aufeinander gepfercht und ernähren sich von widerwärtigen Proteinriegeln, während die Reichen in den vorderen Waggons hausen und sogar in die Sauna gehen können. Doch wenn es nach den aufständischen Bewohnern des hinteren Zugabteils geht, die vom intelligenten und kräftigen Curtis (Chris Evans) angeführt werden, soll sich das bald ändern, denn eine Revolution steht an. Welchen Preis die Rebellierenden bezahlen müssen, und gegen wen sie da eigentlich antreten, kann Anfangs allerdings niemand ahnen...

Snowpiercer ist ein wahrer Überraschungshit! So habe ich nicht damit gerechnet, welch unglaublich skurrilen und doch tiefsinnigen Streifen uns Joon-Ho Bong hiermit präsentiert und bin überrumpelt davon, wie eigenartig gut der Film doch ist. Zweifellos besitzt er einen Touch, der ihn nicht bei jedem Zuschauer beliebt machen wird, der aber so gekonnt vielen Klischees, die wir aus Hollywood kennen, den Rücken kehrt und es beherrscht, an den richtigen Stellen für tolle Überraschungsmomente zu sorgen. Das liegt vor allem an einer tollen Drehbucharbeit, bei der man sicherlich auch die Comicbuch-Vorlage honorieren muss, die hier ein Szenario erschafft, dass zwar Logik an vielen Stellen vermissen lässt, aber auf einer anderen Ebene, auf eine sozialkritische und metaphorische Weise, eine tolle Geschichte auf die Leinwand zaubert.

So ist Snowpiercer weder Arthouse noch Blockbuster, sondern bewegt sich gekonnt dazwischen auf einer Schiene, die ihm einen ganz eigenen Stil und auch einen sehr speziellen Look verleiht. Sicherlich spielt hier der starke Einfluss der asiatischen Filmwelt eine überaus große Rolle und führt den Film durch für den durchschnittlichen Kinogänger neues und erfrischendes Gebiet. Dafür muss man sich natürlich erst mal genug öffnen können, um jene markante Darstellung ins Herz zu schließen, doch wenn einem dies gelingt, kann man Snowpiercer nur gut finden. Und dabei sieht er auch noch super aus! Der Film kommt mit vielen tollen Kameraeinstellungen und Szenen, die man so schnell nicht vergessen wird. Zwar merkt man immer wieder, dass die Visual Effects nicht auf dem allerneuesten Stand sind, doch kann man da getrost drüber hinwegsehen.
 
Auch schauspielerisch ist der Film Spitzenklasse, so liefert Tilda Swinton eine wahnsinnig gute Performance ab und auch Leute wie, Ed Harris und Chris Evans, von dem ich als Nicht-Captain-America-Fan wirklich nicht viel erwartet habe, zeigen, dass sie fabelhafte Schauspieler sind. Hinzu kommen zahlreiche bekannte Gesichter, die in kleineren Rollen großen Spaß machen, und auch einige bei uns eher unbekannte südkoreanische Schauspieler wie Kang-Ho Song, die sich hier einen Namen machen. Einzig und allein das Ende stört etwas, dadurch, dass es sich etwas zu lang zieht und der Abschluss meiner Meinung nach nicht perfekt ist.

Snowpiercer stellt sich somit als vielschichtiges und toll inszeniertes Endzeitszenario heraus, welches man keinesfalls abschreiben darf, wenn man an die Academy-Awards denkt. So schafft es der Film, an vielen Stellen zu überraschen und mit seinem Stil eine merkwürdige und doch stimmungsvolle Atmosphäre zu erschaffen. Für jeden ist das hier sicherlich nichts, aber wer sich nicht von seiner Art abschrecken lässt, und offen für den Film ist, bei dem wird Snowpiercer fabelhaft ankommen.

Wertung: 7/10

Hat gestern seinen Schneemann gepierced: Maxim Braun




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