Samstag, 13. Dezember 2014

Boyhood (2014)

Richard Linklater beschert uns mit diesem Film, dessen Dreharbeiten fast 12 Jahre lang dauerten in denen Hauptdarsteller Ellar Coltrane vom Kind zum Erwachsenen wurde, ein Mammutprojekt, das seinesgleichen sucht. Dabei trafen sich die Darsteller immer wieder um an dem Film weiterzuarbeiten, der sich hauptsächlich mit dem Anfang und Ende von Beziehungen beschäftigt. Ist der Streifen wirklich ein einzigartiges Meisterwerk oder doch nur ein extremer Fall von Zeitverschwendung?

Boyhood

Originaltitel: Boyhood
Produktionsland: USA
Veröffentlichungsjahr: 2014
Regie: Richard Linklater
Haupt-Darsteller: Ellar Coltrane, Patricia Arquette, Lorelei Linklater, Ethan Hawke
Altersfreigabe: FSK 6
Laufzeit: 166 Minuten
Kurzbeschreibung: Boyhood verfolgt das Leben von Ellar Coltrane über einen Zeitraum von zwölf Jahren, von seinem sechsten Lebensjahr bis zum Ende seiner Schulzeit. (Quelle: Moviepilot.de)


Kritik:

In Boyhood dreht sich alles um den jungen Mason (Ellar Coltrane) und seine Familie. Während es zwischen seiner Mutter (Patricia Arquette) und seinem Vater (Ethan Hawke) ziemlich kracht, müssen er und seine Schwester (Lorelei Linklater) mit den daraus resultierenden Veränderungen in ihrem Leben klarkommen und wachsen schnell heran. Der Film verfolgt Masons Altern und seine Erfahrungen, die er mit der Schule, Freunden und seiner Familie macht, sowie die Beziehungen, welche er mit jenen Personen einschlägt und auch wieder beendet. Dabei wird der Zeitraum vom gerade eingeschulten Kind, bis zum von zu Hause ausziehenden Erwachsenen dargestellt.

Viel mehr kann man über Boyhoods Story eigentlich auch nicht schreiben, denn dieser Film lebt nicht von einer durchgehenden Handlung, sondern von seiner Veränderung und seinen Dialogen. Während also jegliche Spannung, Dramatik oder eine sich durchziehende Geschichte auszubleiben scheinen, schafft der Film es vor allem durch emotionale und authentische Bilder, sowie tolle Gedankengänge zu überzeugen. So sieht sich Boyhood an vielen Stellen, vor allem wenn es dann doch gegen Ende geht, auch nicht so ohne dass auch einige Längen entstehen, doch die sind eben der massiven Produktion an Bildmaterial zu verdanken und sollten dadurch entschuldigt werden können, denn was hier an Arbeit reingesteckt wurde schreibt Filmgeschichte.

Wir erleben mit diesem Film die Geschichte von nicht nur einem Menschen, sondern von einer ganzen Gruppe von Personen und es gibt so viele realistische und sich so nah anfühlende Szenen und Charaktere, dass Boyhood es schafft beim Zuschauer eine wahrlich melancholische Atmosphäre aufzubauen und eine Thematik einzuführen, welche sich mit der Problematik des Wachsens und der Frage darum, welchen Platz man in der Welt einnimmt, beschäftigt. Dabei scheint der Film so viele wichtige Sachen anzusprechen, die einen selbst schon beschäftigten, dass es an einigen Stellen beinahe gruselig ist und man sich sehr gut in die Situationen hineinversetzen kann, die einem hier präsentiert werden.


Auch darstellerisch ist Boyhood mehr als gelungen. Wo man sich wahrscheinlich überhaupt freuen durfte, einen jungen Schauspieler an Bord holen zu können, der gewillt war fast 12 Jahre an einem Film mitzuwirken, so hat man mit Ellar Coltrane zudem einen wirklich begabten jungen Mann bekommen. Auch die anderen Darsteller sind super in Szene gesetzt und passen zu ihren Rollen und vor allem Ethan Hawke macht hier einen glänzenden Job. Hawke, der ja auch in der "Before-Reihe" von Richard Linklater alle 9 Jahre in denselben Charakter schlüpft, schafft es hier unglaublich sympathisch zu sein und es ist toll, seine Wandlung sowohl äußerlich als auch im Inneren über die Jahre beobachten zu dürfen. Ich würde mich nicht wundern, wenn es dafür eine Oskarnominierung als bester Nebendarsteller geben würde.

Überhaupt muss man sagen, dass Linklaters filmisches Riesenprojekt wohl einer der ganz großen Oskarfavoriten für die Verleihung 2015 ist und das sicher auch zurecht. Zwar sehe ich am Ende dann doch zu viele Längen und zu wenig Handlung in Boyhood, als dass ich ihm den Preis des besten Films überreichen würde, doch für Drehbuchautor und Regisseur Richard Linklater sollte hier sicherlich die Nominierung drin sein, denn sowohl Zuschauer als auch Kritiker sind weitestgehend begeistert von seinem Engagement an diesem Langzeit-Film und schließlich ist auch ein wirklich sehenswertes Werk dabei herausgekommen, das vor allem für Fans von ruhigeren Filmen geeignet ist, die sich nicht so schnell von wenig Geschehnissen vor der Kamera langweilen lassen.

Wertung: 7/10

Will den Erfolg des Filmes nicht boykottieren: Maxim Braun


 

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