Sonntag, 7. Dezember 2014

28 Days Later (2002)

Danny Boyles 28 Days Later liefert uns Zombiehorror im verlassenen London. Dabei spielt das Szenario besagte 28 Tage nach Ausbruch der Infektion und verfolgt den gerade aus dem Koma erwachten Unfallpatienten Jim, der natürlich nichts von dem Ganzen mitbekommen konnte und durch die verwüsteten Straßen der englischen Hauptstadt irrt.

28 Days Later

Originaltitel: 28 Days Later
Produktionsland: Großbritannien / Niederlande / USA
Veröffentlichungsjahr: 2002
Regie: Danny Boyle
Haupt-Darsteller: Cilian Murphy, Naomie Harris, Brendan Gleeson, Christopher Ecclestone
Altersfreigabe: FSK 18
Laufzeit: 112 Minuten
Kurzbeschreibung: In 28 Days Later von Danny Boyle erwacht ein Mann aus dem Koma, nur um festzustellen, dass es überall nur so vor Zombies wimmelt. (Quelle: Moviepilot.de)


Kritik:

Eine der größten Urängste der Menschheit: Du wachst auf, du weißt nicht wo du bist, alles ist verlassen und du kannst keine andere Menschenseele entdecken. Die Straßen sind verlassen und egal wie laut du rufst, deine Worte hallen immer nur einsam gegen Wände und kehren zu dir zurück. Genauso ergeht es Jim (Cilian Murphy), welcher, gerade frisch aus dem Koma erwacht, feststellen muss, dass er anscheinend die Apokalypse verschlafen hat und London inzwischen nicht mehr als ein karger und verlassener Haufen von Ruinen ist. Es dauert allerdings nicht lange, bis Jim merkt, dass er gar nicht so allein ist wie zuerst angenommen und während er nach Antworten sucht, bekommt er diese schneller als ihm lieb ist, als er von den ersten Infizierten angegriffen wird. Zum Glück stößt er auch auf die mysteriöse und kampferprobte Selina (Naomie Harris) und der Anfang einer Suche nach der Rettung aus dieser aussichtslosen Situation beginnt.

28 Days Later profitiert von seiner starken Besetzung. Ein sehr guter Cilian Murphy, welchen ich sowieso für einen weitestgehend unterschätzten Schauspieler halte, eine tolle Naomie Harris und auch die in kleineren Nebenrollen überzeugenden Brendan Gleeson und Christopher Ecclestone (Doctor Who-Fans werden ihn kennen) machen einen super Job und viel Spaß im Film. Auch die Optik ist gut gelungen und vor allem in der ersten Hälfte des Films noch weitestgehend ruhig und auf die Darstellung der Einsamkeit fokussiert, während gegen Ende des Streifens bis schließlich zum Finale immer mehr Hektik in die Bilder kommt und dem ganzen einen experimentelleren Horror-Charakter verleiht. 

Dabei stehen im Film weniger die sowieso nur in wirklich geringen Zahlen auftauchenden Infizierten (welche man hier wohl eigentlich nicht als Zombies bezeichnen dürfte, da sie nicht untot sind) im Mittelpunkt, sondern mehr die menschlichen Beziehungen zwischen den Charakteren und auch gewisse ethische Fragen nach dem Sinn der Menschlichkeit und des Überlebenstriebes. Leider schafft es Boyle aber hier nie wirklich mehr in die Thematik einzusteigen, sondern bleibt oberflächlich und relativ banal. Hier hätte ich mir an manchen Stellen schon mehr Dialoge gewünscht, die sich mit der Gesamtsituation der Charaktere befassen.

Nichtsdestotrotz bleibt 28 Days Later über 112 Minuten Laufzeit spannend und vergeht sehr schnell ohne einen Hauch von Langeweile. Das Setting ist interessant gewählt, wenn auch nicht zu hundert Prozent neu, und die Charaktere allesamt interessant gestaltet. Insgesamt sehe ich einen kleinen Abfall im Film gegen Ende, wenn er versucht, uns die Abgründe des menschlichen Überlebenstriebes darzustellen und auch sozialkritisch sein will, so hätte ich mir mehr von den anfänglichen Szenen gewünscht, in denen unsere Protagonisten noch durch verlassen Gebäudeblöcke spazieren und die Welt entdecken, da diese Roadtrips durchs leere England einfach super aussehen. So entwickelt sich zwar ein actiongeladenes und spannendes Finale, jedoch auch eines, dass dann doch irgendwie ziemlich deplatziert daherkommt und auch mit einem etwas zu plötzlichen Umschwung des Hauptcharakters agiert.

28 Days Later bleibt auf jeden Fall ein relativ starker Zombie-Film und für Fans des Genres wirklich empfehlenswert, doch schafft er es nicht ganz mehr aus dem starken Konzept zu machen. Viele Ansätze sind gut und wirken auch durchdacht, allerdings einfach nicht vollends ausgeführt und das Ende kommt dann leider doch einfach zu flott und actionreich, als dass es wirklich zum Rest des Films passen möchte, der eben vor allem an seinen ruhigeren Stellen eine tolle Atmosphäre erzeugt. Trotzdem ist 28 Days Later ein sehr interessanter Film, den man keineswegs als 08/15-Horrorstreifen abklatschen kann, sondern der kreativ aus der Masse hervorsticht.

Wertung: 6/10

Ist mit der Filmsucht infiziert: Maxim Braun



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