Bei The Artist bediente sich Regisseur Michel Hazanavicius stilistisch an den 20er Jahren in Hollywood und hat den Film als modernen Stummfilm inszeniert. Durch seine Originalität war der Film der größte Gewinner der Oscars 2012 und konnte fünf Trophäen mit nach Hause nehmen, und das nicht zu Unrecht.
The Artist
Originaltitel: The Artist
Produktionsland: Belgien / Frankreich Veröffentlichungsjahr: 2011 Regie: Michel Hazanavicius Haupt-Darsteller: Jean Dujardin, Bérénice Bejo, John Goodman, James Cromwell Altersfreigabe: FSK 6 Laufzeit: 100 Minuten Kurzbeschreibung: Im oscarprämierten Stummfilm The Artist spielt Jean Dujardin
einen Stummfilm-Star, dessen Ruhm angesichts des Tonfilms und
Nachwuchstar Bérénice Bejo zu verblassen beginnt. (Quelle:
Moviepilot.de)
Kritik:
George Valentini (Jean Dujardin) ist der Filmstar der 20er Jahre. Zusammen mit seinem Hund spielt er in Stummfilmen den großen Helden und wird so zum Publikumsliebling und Superstar. Durch einen Zufall lernt er die junge Peppy Miller (Bérénice Bejo) kennen und hilft ihr ins Filmgeschäft einzusteigen, was diese auch schnell zum Star werden lässt. Dies schlägt aber auch entscheidende Wellen für Georges Karriere, denn immer mehr rücken vertonte Filme in den Fokus, doch er versucht an seinen Stummfilmen festzuhalten. Immer mehr rückt George somit in den Hintergrund und muss feststellen, dass Ruhm etwas ist, das man sehr schnell verlieren kann, wenn der eigene Stolz zu groß ist.
The Artist versucht besonders zu sein, der Film versucht sich auf die alten Werte des Films zu konzentrieren, aber gleichzeitig durch neue Ideen zu begeistern. Man wird zurückgeworfen in eine Epoche, in der Film noch aus reiner Darstellung bestand, untermalt von Musik, und der Film zieht das bis auf einige kleine Ausnahmen brillant durch, sodass Dialoge nur durch Schrift dargestellt werden.Solch ein minimalistischer Stil schreit fast schon nach Anerkennung, kann aber auch schnell in die Hose gehen, hier funktioniert es perfekt.
Vielmehr weiß der Film aus dem Stummfilm-Genre sehr viel herauszuholen und brillant zu Unterhalten mit einer Riege an genialen Darstellern. Jean Dujardin und Bérénice Bejo funktionieren zusammen unglaublich gut und harmonieren ohne Ton vor der Kamera. Auch Nebendarsteller wie ein grimmiger John Goodman und ein sehr empfindsamer James Cromwell sehen sehr gut aus und verleihen dem Film einen gleichzeitig tragischen und doch sehr humorvollen Stil. Es fällt sehr leicht mit dem Protagonisten und seinem Hund, der eines der besten Filmtiere der letzten Jahre darstellt, mitzufühlen und gespannt darauf zu sein, wie die Handlung weiter verläuft, die sich von Anfang bis Ende als sehenswert, wenn auch klassische Story herausstellt. The Artist weiß sehr stark zu Unterhalten und trotz minimalistischer Ausführung zu begeistern und sich als künstlerischer und gleichzeitig als massentauglicher Geniestreich zu etablieren.
The Artist stellt sich als einer der interessantesten und unterhaltsamsten Filme der letzten Jahre heraus und weiß gleichzeitig durch seine Liebe zum Alten zu begeistern, wie auch durch all die neuen Ideen die er dazu beigefügt hat. Dieser Film ist ein fantastischer Mix aus Unterhaltung und Kunst und macht so gut wie alles richtig. Wertung: 8/10 The Art ist gut: Maxim Braun
Affentheater in New York! Planet der Affen: Prevolution ist der erste Film der neuen Prequel-Reihe zum berühmten Klassiker Planet der Affen, in dem der intelligente Schimpanse Caesar einen Aufstand der Primaten anzettelt, um sich von der Tyrannei der Menschen zu befreien. Leider ist der Film nicht nur thematisch gesehen ziemlich affig:
Planet der Affen: Prevolution
Originaltitel:Rise of the Planet of the Apes
Produktionsland: USA Veröffentlichungsjahr: 2011 Regie: Rupert Wyatt Haupt-Darsteller: Andy Serkis, James Franco, Freida Pinto, John Lithgow Altersfreigabe: FSK 12 Laufzeit: 105 Minuten Kurzbeschreibung: In Planet der Affen: Prevolution erfahren wir die Vorgeschichte
des Klassikers Planet der Affen, als James Franco einen
hochintelligenten Schimpansen züchtet. (Quelle:
Moviepilot.de)
Kritik:
Planet der Affen: Prevolution stellt den Anfang der Planet-der-Affen-Geschichte dar und ist somit die Vorgeschichte zum Sci-Fi-Klassiker, in dem zwei Astronauten auf einem vermeintlich unbekannten Planeten landen, der von intelligenten Affen beherrscht wird. Dabei dreht sich die Geschichte um den jungen Wissenschaftler Will Rodman (James Franco), der an einem Mittel arbeitet um seinen alzheimerkranken Vater (John Lithgow) zu heilen und die Menschheit ein für alle Mal von dieser Krankheit zu befreien. Dabei gibt es einen gewaltigen Fehlschlag in Form eines ausbrechenden Affen und Will steht erst einmal alleine da, nur noch mit einem Schimpansenbaby, dass er beschliesst großzuziehen. Allerdings merkt Will erst als der junge Caesar (Andy Serkis) heranwächst, was für ein Potenzial wirklich in dem Primaten steckt, denn er scheint die Intelligenz seiner Artgenossen bei Weitem zu übertreffen und wächst zu einem extrem cleveren, wenn auch launischen Charakter heran. Es dauert nicht lange und Caesar bekommt aufgrund seiner Neugier die ersten Probleme mit seiner Umwelt...
Was für ein Chaos! Das ist der Gedanke der nach Planet der Affen: Prevolution wohl als Erster im Kopf bleibt. Und damit sei nicht nur das Chaos gemeint, dass die Affen am Ende in New York anrichten, nein auch filmisch ist das hier ein sehr wirres und fahriges Werk, das man hier zu sehen bekommt. Zunächst einmal besitzt der Film eines der schlechtesten Drehbücher, die ich in letzter Zeit zu einer ja eigentlich wirklich interessanten und so kreativ offenen Story gesehen habe. Er ist einfach voll von Momenten, die zwar etliche Fragen aufwerfen, doch nicht den Hauch eines Versuches machen, diese auch zu beantworten. Dabei lege ich mich natürlich nicht mit der Logik der Thematik an, die bei einem solch irrealen Film ja sowieso nicht oberste Priorität hat, sondern mit einer schieren Masse an weit hergeholten Entscheidungen um den Verlauf der Handlung zu lenken.
So bleiben einerseits Momente in Erinnerung in denen uns simple Verbindungen fehlen, um die Figuren nachvollziehen zu können, und andererseits Szenen in denen versucht wird diese Verbindungen herzustellen, allerdings auf so stupide Weise, dass es durchaus schmerzhaft. Da blutet das Filmherz schon einmal, wenn die Charaktere ohne den Vorgang des Erstellens realistischer Herleitungen einfach immer genau wissen, was eigentlich vorgeht und man das als Zuschauer dann einfach vorgekaut schlucken soll, doch das geht gewaltig nach hinten los. So bleibt der Plot von Planet der Affen: Prevolution durchgehend interessant und der Film ist auch nicht wirklich langatmig oder gar fad, doch immer wenn man gerade versucht ihn wieder gerne zu haben, tritt er leider ins nächste Fettnäpfchen.
Dabei sei angemerkt, dass der Sci-Fi-Streifen einige von Regisseur Rupert Wyatt wirklich sehr gut umgesetzte Szenen besitzt, sowie auch welche, die tatsächlich mit guten Einfällen und Originalität punkten, aber eben andauernd durch das Skript überschattet werden. So entstehen zwar imposante Bilder und actiongeladene Szenen, die sich toll ansehen lassen, aber eben leider vom Gesamtbild des Streifens heruntergezogen werden. So auch eine grandiose Performance von Andy Serkis, der hier mit Hilfe von Motion-Capturing dem Affen Caesar ein gewaltiges und beeindruckend gespieltes Leben einhaucht und den Protagonisten somit zur eindeutigen Augenweide des Films macht. Die anderen Darsteller, wie James Franco und Freida Pinto, wirken leider an vielen Stellen dafür zu platt und einseitig gezeichnet und machen zudem seltsam konstruierte Charakterwandlungen durch, die auch nie wirklich weiter erklärt oder angesprochen werden.
Ach ist das ärgerlich! Wo ich immer wieder versuche mich von Planet der Affen: Prevolution abholen und begeistern zu lassen, schafft es der Film leider nur, mich in der Hinsicht zu beeindrucken, wie viele Fehler man doch in einem Drehbuch machen kann, obwohl der Rest doch teilweise wirklich stimmig wirkt. Zu viel Klischee, zu viel schlecht gekünstelte Storyverknüpfungen und zu wenig Überraschung erschaffen für mich leider am Ende einen Film, von dem ich nicht sagen kann, dass er meinem Geschmack entspricht. Für Sci-Fi-Fans oder Leute, die einfach auf die Story der Affen-Apokalypse stehen, mag hier möglicherweise noch was dabei sein, aber ich sehe hier nur ein ziemliches Durcheinander aus Ideen, die bedauerlicherweise relativ schlecht umgesetzt wurden.
Wertung: 4/10
Will sich hier sicher nicht aus der Affäre ziehen: Maxim Braun
Der elfjährige Oskar verfolgt das letzte Rätsel seines Vaters, der vor einem Jahr am 11. September ums Leben kam. Dabei stößt er auf einige Leute, die ihre ganz eigene Geschichte haben, doch schafft der Film es auch extrem gefühlvoll oder nur unglaublicher Kitsch zu sein?
Extrem laut und unglaublich nah
Originaltitel:Extremely Loud and Incredibly Close
Produktionsland: USA Veröffentlichungsjahr: 2011 Regie: Stephen Daldry Haupt-Darsteller: Thomas Horn, Tom Hanks, Sandra Bullock, Max von Sydow Altersfreigabe: FSK 12 Laufzeit: 129 Minuten Kurzbeschreibung: Extrem laut und unglaublich nah erzählt die Geschichte des
elfjährigen Oskar, der seinen Vater durch die Anschläge des elften
September verliert und auf seine eigene Art mit Trauer umgeht. (Quelle: Moviepilot.de)
Kritik:
Oskar Schell (Thomas Horn) ist kein gewöhnlicher Junge, das merken wir schon ziemlich früh im Film. Er ist intelligent, fürchtet sich allerdings vor vielen Dingen, zum Beispiel vor dem Überqueren von Brücken, oder auch davor sich auf eine Schaukel zu setzen. Sein Vater Thomas (Tom Hanks) war für ihn immer sein bester Freund, bis dieser beim Anschlag auf das Worl Trade Center am 11. September 2001 ums Leben kam. Das Hobby von Oskars Vater war es, ihm Rätsel zu stellen und ihn auf eine Art Schnitzeljagd zu schicken, bei der er viel kombinieren musste, um an sein Ziel zu gelangen. Als Oskar ein Jahr nach dem tragischen Ereignis einen Hinweis in Form eines Schlüssels findet, beginnt eine lange Suche nach dem passenden Schloss und möglicherweise auch nach der Lösung des letzten Rätsels seines Vaters und nach etwas, dass Oskar nach dessen Tod bleibt. Extrem laut und unglaublich nah erzählt die bewegende Geschichte eines Jungen, der merkt, dass er seinen toten Vater immer mehr verliert und der nach einer Möglichkeit sucht, ihm wieder näher zu kommen. Die Story ist sehr interessant und baut einige schöne Ideen, sowie auch einige tolle Storywendungen auf. Die Dialoge sind zum großteil gut geschrieben und beinhalten auch einige bedeutend gute Gedanken und Metaphern - wie Oskars Vergleich der letzten Strahlen der gestorbenen Sonne mit der Erinnerung an seinen Vater - welche dem Film gut tun und ihn ernsthafter machen. Der Soundtrack drängt sich nicht näher auf, bleibt aber stimmig und die Bilder sind zum Großteil gut gefilmt und stimmig, doch schafft der Film es leider nicht, auf ganzer Linie die richtige Stimmung zu erzeugen. Vor allem im ersten Drittel des Films wirken die Charaktere und ihre Handlungen und Gespräche zu wenig menschlich, zu sehr gekünstelt und unehrlich. So ist viel zu wenig Chemie zwischen Thomas Han, Tom Hanks und Sandra Bullock, und was als glückliche, wenn auch schräge Familie dargestellt werden soll, wirkt sehr unbeholfen abgefilmt und unauthentisch. So hätten mir allgemein mehr Szenen in denen Sandra Bullock auch mal im Familienleben auftaucht gefallen, oder auch weniger affige und ernstere Szenen zwischen Vater und Sohn. Desweiteren verstehe ich nicht, warum man ein ganzes Jahr nach dem 11. September einfach aus dem Film schneidet, anstatt mehr auf die Beziehung zwischen Mutter und Sohn einzugehen und wie beide mit dem Verlust umgehen. Oft wirkt das Zusammenspiel hier aber leider kitschig und aufgesetzt und Chancen den Figuren mehr Tiefe zu verleihen werden ausgelassen. Was mir an Chemie zwischen Sohn und Eltern fehlt, sehe ich perfekt umgesetzt ab dem Mittelteil des Films, als Max von Sydow - welcher für seine Rolle hier für den Oskar nominiert wurde - als stummer Untermieter von Oskars Großmutter die Leinwand betritt und jenen bei seiner Suche unterstützt. Die Szenen mit den beiden funktionieren sehr gut und machen einige vorige Fehler des Films wieder gut. Es macht viel Spaß die beiden tollen Schauspieler als so unterschiedliches Gespann zusammen vor der Kamera zu sehen, in einem Wechsel aus rührenden und lustigen Momenten, mit harten und realistischeren Szenen, die dem ganzen Film etwas von seiner Harmonie nehmen, was auch notwendig ist. So kommt einem der Film in diesem Teil endlich mal echter und greifbarer vor als zu Beginn, und das tut ihm sehr gut. Gegen Ende schafft der Film es sogar noch einige Male Gänsehaut bei mir auszulösen und zündet emotional ziemlich gut, dennoch wäre auch hier mehr drinnen gewesen. Wie schon gesagt hätte mehr Chemie zu einer deutlichen Steigerung der Qualität des Streifens beigetragen. Unter anderem muss ich auch manche Entscheidungen des Regisseurs oder der Drehbuch-Adapteure der Buchvorlage hinterfragen, so finde ich, dass Oskars Off-Komentare, die den ganzen Film begleiten an vielen Stellen nicht nötig wären und nicht positiv zum Film beitragen. Trotz allem schafft es Extrem laut und unglaublich nah mehr als zwei Stunden zu unterhalten und hat einige schöne Momente, die diesen Film durchaus interessant machen, vor allem eben für alle, die sich für seine Thematik interessieren. Wertung: 6/10 Nicht extrem gut und auch nicht unglaublich schlecht findet diesen Film: Maxim Braun