Der mehrfach oscarprämierte Schauspieler Sean Penn verfilmt die wahre Geschichte von Aussteiger Christopher McCandless, der sich selber Alexander Supertramp nennt und nur ausgerüstet mit seinem Rucksack in die Wildnis Nordamerikas hinauszieht. Dabei schafft es Into the Wild in beeindruckend schönen Bildern eine atemberaubende Atmosphäre zu schaffen und sich seinen Platz im Olymp des Roadtrip-Genres zu sichern.
Into the Wild
Originaltitel: Into the Wild
Produktionsland: USA Veröffentlichungsjahr: 2007 Regie: Sean Penn Haupt-Darsteller: Emile Hirsch, Kristen Stewart, Hal Holbrook, Brian H. Dierker Altersfreigabe: FSK 12 Laufzeit: 148 Minuten Kurzbeschreibung: Wohin würdest du gehen, wenn dir die ganze Welt offen stände? Emile Hirsch weiß, wohin der Weg führt: Into the Wild. (Quelle:
Moviepilot.de)
Kritik:
Christopher McCandless (Emile Hirsch) steht die ganze Welt offen. Gerade erst hat er seinen Abschluss gemacht, da wird er von seiner Familie schon damit durchlöchert, was er denn nun tun will. Doch in dem Gerede von guten Noten und Zukunftschancen geht unter, dass Christopher seine ganz eigenen Pläne schmiedet, und zwar will er von all dem überhaupt nichts wissen, er will einfach nur weg. Ohne seinen Eltern auch nur den Hauch einer Spur zu hinterlassen, wohin er geht, macht er sich auf, das Abenteuer seines Lebens zu bestreiten, sein Ziel: Alaska. Into the Wild ist sowohl bild- als auch tontechnisch oberste Spitzenklasse. Der Film kommt mit einer einfallsreichen und starken Kamera daher, gekrönt von einer exzellenten Schnittarbeit und wird von einem perfekt stimmigen Soundtrack untermalt. Eddie Vedders melancholische Musik passt perfekt zur Botschaft und Bildgewalt des Streifens, der uns durch die verschiedensten Abschnitte Nordamerikas schickt und uns auf eine einzigartige Reise mitnimmt. Dabei erleben wir die Abenteuer eines jungen Mannes, der, hervorragend gespielt von Emile Hirsch, sich absetzen will, von all der Gier, der Gewalt und dem Materialismus fliehen und für sich ein Leben führen will, in dem er sich wohlfühlt, und nicht glaubt, ständig von seinen Eltern und Mitmenschen bewertet zu werden. Dabei kreuzt sein Weg viele Nebencharaktere und ihrer Geschichten, jede für sich einzigartig, und zum Teil sehr emotional. Hal Holbrook wurde für seine überragende Darstellung des alten Witwers Ron Franz sogar mit einer Nominierung als "Bester Nebendarsteller" belohnt, doch er ist nicht der Einzige, der durch seinen Auftritt begeistert.
All diese Figuren und ihre Erfahrungen formen langsam das Weltbild unseres Protagonisten, und ebenso die Form des ganzen Films. Somit baut der Streifen nicht nur einen fabelhaften und sympathischen Humor auf, sondern begibt sich auch auf schwierigere Wege, stellt wichtige und mutige Fragen, und wird so auch zu einem philosophischen Werk, dass die Gedanken des Zuschauers so schnell nicht mehr loslassen wird. Durch die Kollision der verschiedenen Schicksale erzeugt der Film den enormen Drang nach Aufbruch und weckt versteckte Leidenschaften, selbst alles stehen und liegen zu lassen und einfach wegzugehen. Dabei schafft es Into the Wild auch, vor allem gegen Ende des Films, uns emotional in den Film und seine Charaktere eintauchen zu lassen, zeichnet seine Figuren so stark, dass wir uns zu ihnen hingezogen fühlen, sie auf ihrem Weg begleiten wollen. Fabelhaft hat Sean Penn diesen Film geschrieben und gedreht, der zwar mit 148 Minuten eine beachtliche Laufzeit aufweist, aber an keiner Stelle je wirklich langatmig wird, nein sich durch seine Größe erst richtig ausbreiten kann und dadurch die nötige Größe erreicht. Into the Wild macht alles richtig, und brilliert durch ein klasse Drehbuch, gefühlvolle Darsteller und einen der besten Soundtracks der letzten Jahre. Durch seine spannende Thematik und die ausführliche, und in keinem Punkt zu lang geratene Umsetzung erwirbt sich Sean Penns Film einen Platz als wahres Meisterwerk und eines der besten Biopics der modernen Filmgeschichte. Wertung: 9/10 Träumt auch mal von der weiten Welt: Maxim Braun
Christian Bale und Russel Crowe in einem Remake des Western-Klassikers Zähl bis drei und bete, in dem ein Farmer einen gefährlichen Strafgefangenen zu einem Zug bringen muss, bevor dessen Kumpanen es schaffen können ihn zu befreien. Guter Neowestern oder unnötiges Remake? Ich habe es nicht geschafft, den Film in vollen Zügen genießen zu können:
Todeszug nach Yuma
Originaltitel:3:10 to Yuma
Produktionsland: USA Veröffentlichungsjahr:2007 Regie: James Mangold Haupt-Darsteller: Christian Bale, Russell Crowe, Logan Lerman, Ben Foster Altersfreigabe: FSK 16 Laufzeit: 123 Minuten Kurzbeschreibung: Wird Christian Bale es schaffen, den Outlaw Russell Crowe zum Todeszug nach Yuma, und damit hinter Schloss und Riegel zu bringen? (Quelle:
Moviepilot.de)
Kritik:
Dan Evans (Christian Bale) wohnt mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen auf einer Ranch in Arizona. Da er seinen Fuß im Kriegsdienst verloren hat und kaum genug Geld zum Leben verdient, hat er große Probleme mit seinen Gläubigern zurechtzukommen, die ihm sein Land wegnehmen wollen. Eines unheilvollen Tages wird er Zeuge eines Überfalls auf eine Kutsche der Bahngesellschaft, bei der einige Männer ihr Leben verlieren und der gerissene Ganove Ben Wade (Russell Crowe) und seine Bande eine Menge Geld stehlen. Später in der Stadt erkennen sich beide wieder und Evans bietet bei Wades Verhaftung an, die Eskorte im Austausch für 200 Dollar zu begleiten. Eine lange und beschwerliche Reise zur Bahnstation beginnt, an der Wade mit dem nächsten Zug um 3:10 Uhr ins Gefängnis nach Yuma transportiert werden soll, doch seine Kollegen heften sich schon bald an die Versen der Eskorte...
Zuerst sei gesagt, ich kenne das Original Zähl bis drei und bete aus dem Jahre 1957 nicht und kann deswegen leider auch derzeit noch keinen Vergleich mit dem Remake anbieten. Dennoch betrachte und bewerte ich den Film hier natürlich sowieso als ganz eigenen Film und einfach als das, was er ist. Todeszug nach Yuma profitiert sehr stark von seinen beiden Hauptdarstellern Christian Bale und Russell Crowe. Beide spielen hier toll und vor allem Crowe schafft es, seiner Figur einen tollen Charakter durch sein Spiel zu verleihen und durch seine Performance zu begeistern.
Umso mehr ärgert es mich, wie unfassbar schlecht hier an der Entwicklung der Charaktere gearbeitet wurde. So ist es eben auch wieder vor allem Crowes Charakter, der gegen Ende einfach komplett aus der Rolle fällt. Manche mögen dies einer plötzlichen Sinneswandlung zuschreiben, Andere stören sich daran nicht oder finden es sogar gelungen, für mich ist es fast unerträglich wie unangekündigt und wie unnötig hier die Charaktere einfach komplett unnatürlich zu handeln scheinen und dadurch große Teile der Geschichte einfach vor die Hunde gehen. Und dabei handelt es sich hier um eine durchaus spannende Geschichte, die mit einem guten Drehbuch und einem guten Regisseur wirklich ein Highlight hätte werden können. Doch stattdessen schafft der Streifen es kaum Atmosphäre zu schaffen und dabei hilft auch ein Soundtrack, der so gut wie kaum vorhanden ist, und dessen Oskarnominierung ich unmöglich nachvollziehen kann, nicht aus. Vor allem gegen Anfang des Films scheint nämlich James Mangold einiges nicht so recht durchdacht zu haben, so kommen mir viele der Anfangsszenen sehr unvorteilhaft gedreht oder geschnitten vor und wollen mich einfach nicht eintauchen lassen, in die Welt, die mir hier angeboten wird. Dabei macht es stets Spaß Bale und Crow zusammen im Bild zu sehen und auch die Dialoge des Films sind zum Teil wirklich gelungen, doch die richtige Chemie kommt einfach nicht auf, eben weil die Charaktere sich so unglaublich irrational und seltsam verhalten. Und bevor mir vorgeworfen wird, ich würde hier unnötig herummeckern, ohne Beispiele zu liefern, will ich das nachholen: Ich bin nicht in der Lage verstehen zu wollen, warum mit einem der meistgesuchtesten Gangster im Wilden Westen umgegangen wird, wie mit einem Kleinverbrecher - vor Allem nachdem er einige Male Anlass dazu gibt, ihm einfach mal den Mund zu schließen, oder doch wenigstens mal seine Handschellen auf den Rücken zu binden, damit er nicht ständig über seine Eskorte herfällt. Wie schon gesagt, ist das Ende des Films der Teil, der am wenigsten solide daherkommt. So ergibt weder die besagte Charakterentwicklung Sinn, noch wie Ben Wade damit umgeht. Anstatt seinen Leuten irgendwie mitzuteilen, dass er langsam anfängt mit Evans zu sympathisieren und dass beide gerade zum Zug rennen, lässt er sich munter weiterlaufend von den eigenen Männern beschießen, welche auch nie auf die Idee kommen, den alleine kämpfenden Evans auch nur einmal einzukreisen oder irgendeinen Versuch machen sich ihm zu nähern. Am Ende macht der Film dann noch ein paar viel zu hastige Versuche, irgendwie Authentizität hinter die Handlungen der beiden Hauptakteure zu zaubern und kommt mit einem enttäuschend idiotischen Finale daher, welches uns außerdem die vollkommene Sinnlosigkeit dieser Reise nach Yuma klarmacht und somit den Film selbst bloßstellt. Todeszug nach Yuma sieht gut aus und hat zwei tolle Hauptdarsteller, ist aber in meinen Augen einfach nicht ausgereift genug geschrieben. So schafft er es einfach nicht, sich so interessant zu gestalten, wie er sein sollte und bleibt an vielen Stellen nicht nachvollziehbar und seltsam konstruiert wirkend. Vor Allem schlägt mir hier eben ein sehr verkorkstes Ende auf den Magen, bei dem irgendwie noch mal alles zusammengepresst werden soll, was man hätte im ganzen Film langfristig entwickeln können. So bleibt er möglicherweise sehenswert für Western-Fans oder Freunde von Bale und Crowe, auch, weil er es trotz seiner deutlichen Defizite schafft, nicht langweilig zu werden, doch insgesamt erreicht Todeszug nach Yuma viel weniger, als er hätte sein können und bleibt für mich am Ende enttäuschend. Wertung: 5/10
Ein Mann, der nach einem Unfall nichts bewegen kann, außer seinem linken Auge. Ein Mensch der in sich selbst gefangen ist, der seine Gedanken nicht aussprechen kann und der sich wohl kaum einsamer und verlorener fühlen könnte. Eingefangen in einen Film der tief in seine Gedanken eintaucht:
Schmetterling und Taucherglocke
Originaltitel:Le Scaphandre et le papillon
Produktionsland: Frankreich / USA Veröffentlichungsjahr: 2007 Regie: Julian Schnabel Haupt-Darsteller: Mathieu Amalric, Emmanuelle Seigner, Marie-Josée Croze, Anne Consigny Altersfreigabe: FSK 12 Laufzeit: 112 Minuten Kurzbeschreibung: Schmetterling und Taucherglocke erzählt von einem Mann, der seit einem Schlaganfall am Locked-In-Syndrom leidet. (Quelle: Moviepilot.de)
Kritik:
Jean-Dominique Bauby war französischer Journalist, Autor und Chefredakteur des französischen Magazins "Elle", bevor er am 8. Dezember 1995 einen Schlaganfall erleidet und ins Koma fällt. Nach seinem Erwachen kann der 43-jährige nicht mehr sprechen und ist überall am Körper gelähmt, mit Ausnahme seines linken Auges. Dies ist so tatsächlich passiert und von Bauby, der hier von Mathieu Amalric gespielt wird, in einen Roman verarbeitet worden. Der Film erzählt den Prozess nach seinem Aufwachen, die Probleme mit denen er leben muss und das "Diktieren" des Buches, was er durch eine Art Zeichensprache durch sein Blinzeln vollbrachte, als Verfilmung eben jenes Romans von Bauby. Schmetterling und Taucherglocke ist ein gewaltiger Film. Er begibt sich thematisch in eine so dermaßen schreckliches Szenario und das, aus erster Hand der Person erzählt, die das alles wirklich erlebt hat. Allein dieser Fakt verleiht dem ganzen ein so hohes Level an Authentizität und erschreckender Ehrlichkeit, das man so leider nur allzu selten in Dramen geboten bekommt. Der Film wirkt dadurch an keiner einzigen Stelle auch nur irgendwie klischeemäßig und versucht sich gar nicht erst irgendwo einzuordnen. Man tut hier nicht Unrecht, dies als ernsthaftes Kunstwerk zu bezeichnen, als ein bewegendes Erlebnis voller toller Bilder und Monologe, die einen zum Nachdenken anregen. So zeigt uns Regisseur Julian Schnabel auf der einen Seite immer wieder schockierende Bilder aus der Realität - wie die aus Bauby's Perspektive gefilmte Szene, in dem ihm sein Auge zugenäht wird - und auf der anderen Seite tolle Fantasiewelten, die sich der gelähmte in seinem inneren Exil aufbaut. Bildgewaltig kommt Schmetterling und Taucherglocke somit daher und versucht auf groteske Weise irgendwie zu übermitteln, wie es sich anfühlen muss in Bauby's Haut zu stecken. So ist überhaupt ein Großteil der Szenen sozusagen aus seinen Augen Beobachter des Geschehens. Doch beobachtet er nicht nur, nein er kommentiert auch alles was passiert mit einer inneren Erzählerstimme, die gekonnt mit solch einer selbstironischen Distanz agiert, dass alles einfach so echt wirkt und man diese Person, die man überhaupt nicht kennt und die nichtmal sprechen kann, die nicht einmal auch nur einen Funken von Mimik zeigen kann, lieb gewinnt und sich mit ihr anfreundet. Immer wieder werden wir zudem ruckartig in Bauby's Vergangenheit entrissen, in sein Leben vor dem Unfall, und lernen diesen Menschen kennen, der doch so unperfekt ist wie wir alle, bevor wir wieder ohne Vorwarnung in der bitteren Realität sind. Fantastisch wird das ganze von einem leisen aber deutlichen Klaviersoundtrack umhüllt, der zu den richtigen Stellen hinzukommt und hin und wieder sind auch einige populäre Lieder, vor allem auf französisch, zu hören, die die Szenen beschmücken. Es handelt sich hier um einen durchaus anspruchsvollen Film, der der Thematik und der Geschichte gerecht wird und einem die Augen öffnet. Ein so tiefer Blick in eine noch nie gesehene Perspektive ist noch niemandem so gut gelungen, zumindest nicht dass ich wüsste. Dieser Film ist ein Film, in dem es um die Gefühle geht, um die Bilder und die Worte die so schön melancholisch, so traurig und so erfrischend aufrichtig sind. So konnte ich in manchen Szenen ein Lachen nicht unterdrücken, in anderen musste ich mich zusammenreißen um nicht in Tränen auszubrechen. So wenig man auch von Mathieu Amalric zu sehen bekommt, was gezeigt wird macht er großartig. Auch sehr positiv hervorzuheben sind die weiblichen Nebendarsteller, die sich hier mit Bauby befassen, bestehend aus seinen Ärztinnen, seiner Ex-Frau und der Reporterin, die sein Buch niederschreibt, denn sie alle sind toll anzusehen und geben super Performances ab. Schmetterling und Taucherglocke ist ein atemberaubendes Werk, ein Film der noch lange in den Gedanken nachhallt, der einen nachdenklich macht und der sich auch stark verpackt. Ohne Angst sich der schwierigen Thematik zu stellen und mit Mut zu Experimentellem und Innovativem ist dies ein Film, der für mich etwas ganz eigenes darstellt. Vielleicht nicht unbedingt etwas für jedermann, doch für alle Filmfans die da draußen etwas an nachdenklichem, realistischen und tragischem Stoff Gefallen finden, sollte dieser Film genau das Richtige sein. Für mich war er auf jeden Fall ein wunderschönes Erlebnis. Wertung: 8/10 Hat Schmetterlinge im Bauch: Maxim Braun